Die Cloudiax AG mit Sitz am Niederrhein bildet erstmals Fachinformatiker aus. Geschäftsführer Dirk Cyrener berichtet, wie das Unternehmen geeignete Talente gewinnt, worauf es bei der Azubiwahl achtet und warum frühe Verantwortung, flexible Arbeitsmodelle und feste Ansprechpartner den Einstieg erleichtern. Zudem erläutert er, warum solide IT-Grundlagen trotz KI unverzichtbar bleiben.
Dirk Cyrener ist CEO der Cloudiax AG. Nach ersten akademischen Stationen in Psychologie und Theologie absolvierte er ein betriebswirtschaftliches Studium mit Schwerpunkt Entrepreneurship und Innovation Management und hat einen MBA. Er lebt heute in Rees am Niederrhein, wo Cloudiax in diesem Jahr ein neues Headquarter eröffnet hat. 2016 gründete er die Cloudiax AG mit der Vision, leistungsfähige und datensouveräne Cloud-Infrastrukturen „Made in Germany“ aufzubauen. Heute betreibt das Unternehmen eigene Rechenzentren in Deutschland, Kanada und Singapur und zählt zu den führenden Anbietern von SAP-Business-One-Hosting sowie KI-gestützten Cloud-Lösungen für kleine und mittelständische Unternehmen.
Dirk Cyrener (DC): Es war eine strategische Entscheidung. Wir sehen, wie anspruchsvoll es geworden ist, qualifizierte Fachkräfte am Markt zu finden. Deshalb möchten wir Talente frühzeitig fördern und ihnen die Möglichkeit geben, sich gemeinsam mit uns zu entwickeln.
Hinzu kommt, dass wir als Technologieunternehmen eine Verantwortung sehen, unser Wissen weiterzugeben. Unsere Auszubildenden lernen nicht nur theoretische Inhalte kennen, sondern sind von Beginn an in Projekten involviert. Das schafft einen echten Mehrwert, sowohl für die Auszubildenden als auch für unser Unternehmen.
DC: Unser Ziel ist es, junge Menschen langfristig für die IT zu begeistern und sie zu qualifizierten Fachkräften auszubilden, die idealerweise auch nach ihrer Ausbildung Teil unseres Teams bleiben. Dabei geht es uns nicht nur um fachliches Know-how. Wir legen großen Wert auf Eigenverantwortung, Teamarbeit und die Bereitschaft, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln. Gerade in der IT verändern sich Technologien sehr schnell. Deshalb möchten wir unseren Auszubildenden vermitteln, dass Lernen ein dauerhafter Bestandteil des Berufs ist. Gleichzeitig bringt jede neue Generation frische Ideen und andere Sichtweisen mit. Auch davon profitieren wir als Unternehmen.
DC: Die Initiative wurde gemeinsam von der Geschäftsführung und unseren technischen Fachbereichen entwickelt. Uns war wichtig, dass Ausbildung nicht die Aufgabe einer einzelnen Person ist, sondern von allen mitgetragen wird. Deshalb haben wir frühzeitig Mitarbeitende eingebunden, die als Ausbilder:innen oder Ansprechpartner:in fungieren. Gemeinsam haben wir Zuständigkeiten festgelegt und dafür gesorgt, dass die Auszubildenden verschiedene Bereiche unseres Unternehmens kennenlernen können.
DC: Bisher konnten wir unsere Ausbildungsplätze erfolgreich über unser bestehendes Netzwerk sowie über gängige Stellenportale besetzen. Darüber hinaus profitieren wir auch von persönlichen Empfehlungen. Besonders gut funktioniert die Kombination aus einer gezielten Online-Präsenz und direkten Kontakten. Bei unseren letzten beiden Azubis hatten wir zudem das Glück, sie über den Segelsport kennenzulernen, in dem Cloudiax engagiert ist – ein schöner Zufall, der sich aber sicher nicht beliebig wiederholen oder als verlässlicher Rekrutierungskanal verstehen lässt. Uns ist bewusst, dass wir uns hierauf langfristig nicht verlassen können und weiterhin aktiv und breit aufgestellt nach geeigneten Talenten suchen müssen.
Wir achten insbesondere darauf, dass Bewerber:innen Interesse am Beruf mitbringen, wissbegierig sind, Eigeninitiative zeigen und bereit sind, über den Tellerrand hinauszuschauen. Teamfähigkeit, Zuverlässigkeit und Freude am Lernen spielen für uns ebenfalls eine große Rolle. Eigenschaften, die uns übrigens auch aus dem Segelsport vertraut sind, wo es genauso auf Verlässlichkeit und Teamgeist ankommt.
DC: Einer unserer Azubis hat bereits als Schüler bei uns gejobbt. Schon während seiner Zeit als Minijobber ist ihm aufgefallen, wie gut das Arbeitsklima bei uns ist und wie viel Flexibilität wir bieten, etwa durch die Möglichkeit, remote zu arbeiten. Auch die Bezahlung hat überzeugt, was zu Recht ein wichtiges Kriterium ist. Ich denke am Ende sind es die Menschen bei Cloudiax und die dynamische, flexible Arbeitsweise, die uns auszeichnet.
DC: Uns ist wichtig, dass sich unsere zukünftigen Auszubildenden schon vor ihrem ersten Arbeitstag willkommen fühlen. Deshalb laden wir sie beispielsweise zu Firmenfeiern und gemeinsamen Veranstaltungen ein. Außerdem halten wir bis zum Ausbildungsstart regelmäßig Kontakt, um Fragen zu beantworten und den Einstieg so unkompliziert wie möglich zu gestalten. Als kleines, familiäres Team stehen wir unseren Auszubildenden von Anfang an mit festen Ansprechpartner:innen zur Seite und unterstützen sie dabei, sich schnell einzuleben.
DC: Das erste Ausbildungsjahr war für uns alle eine spannende Lernphase. Natürlich mussten wir unsere Ausbildungsprozesse an der einen oder anderen Stelle nachjustieren. Im Alltag merkt man erst, wo man Inhalte anders strukturieren oder noch mehr Zeit für bestimmte Themen einplanen sollte. Diese Erfahrungen helfen uns dabei, die Ausbildung kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Besonders positiv ist, wie schnell sich beide Auszubildenden fachlich und persönlich entwickelt haben. Dabei hat sich auch gezeigt, dass jeder seine eigenen Stärken mitbringt. Der eine arbeitet sehr analytisch und strukturiert, während der andere eine ausgeprägte Kommunikationsstärke besitzt und offen auf Menschen zugeht. Gerade diese unterschiedlichen Persönlichkeiten bereichern unser Team.
Bei einem unserer Auszubildenden kann ich mir sogar sehr gut vorstellen, dass er in absehbarer Zeit eines unserer Kunden-Webinare moderiert. Er tritt sehr sicher auf, kommuniziert klar und verständlich und hat keine Scheu, vor anderen Menschen zu sprechen. Solche Talente erkennt man im Arbeitsalltag oft erst mit der Zeit.
DC: Ja, auf jeden Fall. Uns war von Anfang an wichtig, dass unsere Auszubildenden nicht nur zuschauen, sondern aktiv mitarbeiten. Sie sind fester Bestandteil unserer Teams und lernen unsere verschiedenen Fachbereiche kennen. Wir sind überzeugt, dass Verantwortung der beste Weg ist, um zu lernen. Deshalb übertragen wir ihnen Schritt für Schritt mehr Aufgaben und fördern gleichzeitig eigenständiges Denken und Handeln.
DC: Die Rückmeldungen sind insgesamt sehr positiv. Besonders geschätzt wird, dass sie früh Verantwortung übernehmen dürfen und jederzeit Ansprechpartner haben, wenn Fragen auftauchen. Gleichzeitig erleben sie den Arbeitsalltag nicht nur aus einer Perspektive, sondern bekommen Einblicke in unterschiedliche Themen und Technologien.
DC: KI verändert die Arbeit von Fachinformatikerinnen und Fachinformatikern bereits heute spürbar und diese Entwicklung wird sich weiter beschleunigen. Viele Aufgaben lassen sich schneller erledigen, Routinetätigkeiten werden automatisiert und neue Werkzeuge unterstützen bei Entwicklung, Analyse oder Dokumentation. Trotzdem beobachten wir, dass die Grundlagen dadurch nicht an Bedeutung verlieren, im Gegenteil. Wer nicht versteht, wie Netzwerke, Betriebssysteme, Datenbanken oder Programmierung funktionieren, kann auch die Ergebnisse einer KI nicht richtig bewerten. Deshalb legen wir in der Ausbildung weiterhin großen Wert auf ein solides technisches Fundament. KI ist für uns ein Werkzeug, kein Ersatz für Fachwissen.
DC: Kompetenzen wie analytisches Denken, Problemlösung, Medienkompetenz und die Fähigkeit, gute Fragen zu stellen, gewinnen zunehmend an Bedeutung, meiner Meinung nach. Gerade beim Einsatz von KI entscheidet die Qualität der Eingaben oft über die Qualität der Ergebnisse. Wir vermitteln deshalb nicht nur den Umgang mit KI-Werkzeugen, sondern auch, wie man deren Antworten überprüft, validiert und verantwortungsvoll einsetzt. Kritisches Denken ist aus unserer Sicht eine der wichtigsten Zukunftskompetenzen.

DC: KI gehört bei uns ganz selbstverständlich zum Arbeitsalltag. Ein schönes Beispiel dafür ist, dass einer unserer Auszubildenden als Erster im Unternehmen einen Premium-Zugang zu einem GPT-Tool erhalten hat. Das zeigt auch unser Vertrauen darin, dass junge Talente neue Technologien verantwortungsvoll einsetzen können. Er nutzt die Möglichkeiten sehr aktiv, probiert unterschiedliche Anwendungsfälle aus und bringt seine Erfahrungen wiederum ins Team ein. Dieser Wissensaustausch ist für uns ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung.
Auch unsere Ausbilderinnen und Ausbilder setzen KI gezielt ein, etwa um Inhalte aufzubereiten oder verschiedene Lösungsansätze zu diskutieren. Dadurch entsteht ein gemeinsamer Lernprozess, bei dem alle voneinander profitieren.
Uns ist dabei wichtig, dass KI den Lernprozess unterstützt und nicht ersetzt. Wer sich ausschließlich auf KI verlässt, wird langfristig nicht erfolgreich sein. Wer hingegen über solides Fachwissen verfügt und KI als intelligentes Werkzeug nutzt, wird künftig einen echten Wettbewerbsvorteil haben.
DC: Ja, diesen Moment gab es tatsächlich nicht nur einmal. Besonders beeindruckt hat mich, wie schnell unsere beiden Auszubildenden Verantwortung übernommen und sich fachlich weiterentwickelt haben. Es ist schön zu sehen, wie aus anfänglichen Fragen nach und nach eigene Ideen, Lösungsansätze und echtes Mitdenken entstehen.
DC: Mein erster Tipp ist: Einfach anfangen. Natürlich wird nicht vom ersten Tag an alles perfekt laufen. Aber viele Prozesse entwickeln sich erst im laufenden Ausbildungsalltag.
Mein zweiter Tipp: Man sollte Auszubildenden möglichst früh Vertrauen schenken und ihnen Verantwortung übertragen.
Und drittens: Ausbildung ist Teamarbeit. Sie funktioniert am besten, wenn nicht nur die Ausbilderinnen und Ausbilder, sondern das gesamte Unternehmen die Auszubildenden begleitet, Wissen teilt und sie als vollwertige Teammitglieder integriert.
DC: Gerade für Unternehmen, die zum ersten Mal ausbilden, sind praxisnahe Informationen und der Austausch mit anderen Ausbildungsbetrieben sehr wertvoll. Viele Fragen ergeben sich erst im Alltag, sodass Erfahrungsberichte und Best Practices enorm helfen können.
Darüber hinaus wünsche ich mir, dass die duale Ausbildung, insbesondere in den IT-Berufen noch stärker sichtbar gemacht wird. Sie bietet hervorragende Karriereperspektiven und ist für viele junge Menschen eine echte Alternative zum Studium.
Vielen Dank für das Interview.