Sprache als Puzzlestück für eine erfolgreiche Integration von Azubis

Eine Gruppe junger Menschen sitzt an einem Tisch und diskutiert. Im Vordergrund ist ein Mädchen mit Brille zu sehen, das freundlich lächelt. Die anderen Teilnehmer sind teilweise abgewandt und scheinen interessiert zu sein. Auf dem Tisch befinden sich Laptops.

Deutschkenntnisse sind ein zentraler Erfolgsfaktor für die Integration internationaler Auszubildender. In einer alternden Gesellschaft werden internationale Azubis immer wichtiger für die Fachkräftesicherung. Der Beitrag zeigt, warum Sprache mehr ist als ein Lernfach, wie sich DaZ und DaF unterscheiden und welche konkreten Wege Ausbildungsbetriebe nutzen können, um ihre Azubis im Arbeitsalltag wirksam zu unterstützen. 

Demografischer Wandel als Herausforderung für den Ausbildungsmarkt

Urnenförmig – so könnte die Bevölkerungspyramide in Deutschland beschrieben werden. Dies steht für eine alternde Gesellschaft. Was aus gesundheitlicher Perspektive etwas Positives ist, stellt aus ökonomischer Sicht eine große Herausforderung dar. (Destatis, 2026) Deutschland altert – und das spüren Ausbildungsbetriebe bereits heute: Bewerbungen bleiben aus, Stellen bleiben unbesetzt, die Suche nach passenden Azubis wird zur Herausforderung. Viele Branchen stehen dadurch vor großen, teilweise sogar existenzbedrohenden Problemen. Die Folge ist ein zunehmender Wettbewerb um die besten Auszubildenden und Studierenden. Doch dieser Wettbewerb allein wird die Lücke, die die Boomer-Generation hinterlässt, bei Weitem nicht schließen. (BMAS, 2026)

Was können Unternehmen tun?

Mit dem Eintritt einer neuen Generation in den Arbeitsmarkt gehen immer gewisse Anpassungen einher. Dennoch ist ein weiterer Lösungsansatz im Kampf gegen den Fachkräftemangel unabdingbar: internationale Fach- und Arbeitskräfte. Dies umfasst Menschen, die nach Deutschland migrieren, um hier zu arbeiten und bereits eine Ausbildung abgeschlossen haben, ebenso wie Personen, die hier eine berufliche Ausbildung beginnen möchten oder erst kürzlich nach Deutschland gekommen sind und nach Perspektiven suchen. Diesen Weg der Rekrutierung müssen deutsche Unternehmen gehen, um in einer alternden Gesellschaft konkurrenzfähig zu bleiben. (BiB, 2025) 

Interkulturelle Zusammenarbeit: Mehr als Sprache, aber niemals ohne

Von interkultureller Zusammenarbeit sprechen wir, wenn Menschen miteinander arbeiten, die in unterschiedlichen Kulturkreisen aufgewachsen sind. Obwohl der Kulturbegriff schwer zu definieren ist und daher in der Literatur viele unterschiedliche Ausprägungen hat, geht es im Kern um Verhaltensweisen, Kommunikationsformen und Gewohnheiten, mit denen Menschen in ihrer jeweiligen Region sozialisiert wurden. (Boecker, 2008) 

Wenn Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen zusammenarbeiten, treffen verschiedene Denkweisen, Kommunikationsstile und Gewohnheiten aufeinander. Dieser kulturelle Hintergrund prägt, wie Menschen im Alltag und im Arbeitskontext handeln und kommunizieren. Ein wesentlicher Teil dieser kulturellen Prägung ist Sprache. 

Wenn Betriebe, die ausbilden, internationale Azubis aufnehmen, ist es sehr wahrscheinlich, dass Deutsch nicht ihre Muttersprache ist. Viele von ihnen besuchen deshalb Sprachkurse oder lernen neben der Ausbildung weiter Deutsch. Dabei ist es wichtig zu wissen: Deutsch als Zweitsprache (DaZ) und Deutsch als Fremdsprache (DaF) unterscheiden sich – auch wenn sie auf den ersten Blick ähnlich klingen.

DaZ und DaF – ein kurzer, greifbarer Unterschied aus der Praxis

Deutsch als Fremdsprache (DaF) lernen Menschen meist in einem anderen Land, lange bevor sie nach Deutschland kommen. 

Beispiel: Eine angehende Auszubildende lernt in Vietnam zwei Jahre Deutsch in einem Sprachzentrum, hat aber keine Alltagskontakte auf Deutsch. 

Deutsch als Zweitsprache (DaZ) lernen Menschen in Deutschland selbst, eingebettet in den Alltag. 

Beispiel: Ein junger Geflüchteter, der gerade angekommen ist, lernt Deutsch im Integrationskurs und gleichzeitig durch Gespräche beim Einkaufen, im Wohnheim oder im Ausbildungsbetrieb.  

Warum ist das wichtig? 

DaF-Lernende beherrschen oft gut Grammatik und Vokabeln, aber ihnen fehlen Alltagssprache und Hörverständnis. DaZ-Lernende verstehen häufig viel umgangssprachliches Deutsch, kämpfen aber mit formellen Strukturen. Im Ausbildungsalltag bedeutet das, dass beide Gruppen Unterstützung brauchen aber auf unterschiedliche Weise.

Wie du als Ausbilderin und Ausbilder unterstützen kannst

Der Spracherwerb ist für internationale Azubis ein Weg, der Zeit, Übung und positive Erlebnisse braucht. Diesen Weg kannst du aktiv unterstützen:

1. Sprachkurse sichtbar machen und Partnerschaften nutzen

  • Recherchiere nach regionalen oder digitalen Sprachkursangeboten.

  • Prüfe Kooperationen mit Sprachschulen, Trägern oder Volkshochschulen  

  • Unterstütze deine Azubis bei organisatorischen Fragen (Anmeldung, Prüfungstermine etc.) 

2. Die eigene Kommunikation reflektieren

Es geht nicht darum, deine eigene Sprache „zu vereinfachen“ oder zu verstellen, sondern um Geduld, Klarheit und Offenheit. 

Wenn Arbeitsanweisungen nicht sofort verstanden werden, ist das kein Desinteresse – sondern Teil des lernbegleitenden Prozesses. 

3. Den Betrieb zu einem Sprachlernort machen

Beschriftungen, Illustrationen und Piktogramme, Post-its mit Fachwörtern in der Werkstatt können bereits kleine Erfolge im Sprachlernprozess ermöglichen.

Nutze auch hier ein Buddy-Programm, in dem sich Azubis gegenseitig beim Deutschlernen unterstützen können.

4. Feedback geben – respektvoll und regelmäßig

Gib deinen internationalen Azubis das Gefühl, dass Rückfragen erlaubt und auch gewünscht sind. In einigen Kulturkreisen können deine Azubis damit aufgewachsen sein, dass es unhöflich ist, Rückfragen zu stellen. 

Internationale junge Menschen bringen viel Motivation und Engagement in deinen Betrieb. Wenn du sie auf ihrem Weg beim Spracherwerb unterstützt, stärkst du nicht nur ihren Erfolg, sondern langfristig auch deinen eigenen. Vielfalt im Betrieb bedeutet neue Ideen, breitere Perspektiven und eine stärkere Position im Wettbewerb um Fachkräfte. Sprache ist kein Hindernis, sondern ein Entwicklungsschritt. Um dich dabei gezielt zu unterstützen, findest du mit diesem Lernpaket verschiedene Inhalte zu Sprachniveaus, Methoden zur Sprachförderung im Betrieb und Tipps für deinen eigenen Sprachgebrauch. 

Quellen 

Boecker, 2008, Interkulturelle Kompetenz – Die Schlüsselkompetenz im 21. Jahrhundert?, https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Presse/imported/downloads/xcms_bst_dms_30236_30237_2.pdf 

Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB), 2025, Fachkräftemangel in Deutschland, https://www.bib.bund.de/DE/Aktuelles/2025/2025-07-24-Berliner-Demografiegespraech-Fachkraeftemangel-in-Deutschland-Bericht.html 

BMAS, 2026, Zahlen und Fakten zur Fachkräfteentwicklung, https://www.bmas.de/DE/Arbeit/Fachkraeftesicherung/Fachkraeftemonitoring/fachkraeftemonitoring-art.html 

Destatis, 2026, 16. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung für Deutschland, https://service.destatis.de/bevoelkerungspyramide/index.html 

Dieser Fachbeitrag ist Teil des folgenden Lernpakets

Kompakter Einstieg in Deutsch als Zweit- und Fremdsprache mit praxisnahen Ansätzen für sprachförderliche Ausbildung im Betrieb. 

Fortbildung

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