Feedback im Ausbildungsstart: Vertrauen ab dem ersten Tag
Die ersten Wochen der Ausbildung prägen, ob dein Feedback dauerhaft wirkt. Entdecke, wie du durch kleine Signale im Alltag Vertrauen…
Die ersten Wochen der Ausbildung prägen, ob dein Feedback dauerhaft wirkt. Entdecke, wie du durch kleine Signale im Alltag Vertrauen aufbaust, Orientierung gibst und eine Feedbackkultur entwickelst, in der Auszubildende sicher lernen und sich aktiv einbringen können.
Die ersten Wochen in der Ausbildung sind mehr als ein organisatorischer Einstieg. In dieser Zeit entsteht der Rahmen für die Zusammenarbeit: Wie gehen wir miteinander um? Was ist hier erlaubt? Wie sprechen wir über Fehler?
Auszubildende beobachten in dieser Phase sehr genau, wie du auf Fragen, Unsicherheiten oder Fehler reagierst. Daraus entsteht früh eine zentrale Orientierung: Ist es hier sicher, mich zu äußern oder halte ich mich lieber zurück? So entsteht bereits im Onboarding die Basis für eure Feedbackkultur. Nicht durch ein einzelnes Gespräch, sondern durch viele kleine Situationen im Alltag. Das beeinflusst nicht nur das Lernen, sondern auch, ob Auszubildende sich langfristig im Unternehmen einbringen und bleiben.
Ob Feedback wirkt, entscheidet sich also nicht erst im Feedbackgespräch, sondern bereits durch viele kleine Situationen im Alltag. Denn Feedbackkultur entsteht durch gelebtes Verhalten und entwickelt sich aus dem Zusammenspiel von:
deiner Haltung gegenüber den Auszubildenden
einer klaren Kommunikation, die Orientierung gibt
wiederkehrenden Routinen und Mustern im Umgang miteinander
einem sicheren Rahmen, der Vertrauen ermöglicht
Dein:e Auszubildende:r macht am Anfang einen Fehler, spricht ihn aber nicht von sich aus an. Du bemerkst ihn und korrigierst das Ergebnis kommentarlos oder übernimmst es schnell selbst. Das könnte effizient sein, doch für deine:n Auszubildende:n entsteht eher die Orientierung: Fehler spreche ich hier lieber nicht an, ich versuche, sie zu vermeiden oder zu verstecken. So kann Unsicherheit entstehen, die dazu führt, dass Feedback später gar nicht mehr aktiv genutzt wird.
Oder dein:e Auszubildende:r arbeitet mehrere Tage selbstständig an Aufgaben, bekommt aber keine Rückmeldung von dir. Erst wenn etwas nicht passt, sprichst du es an. Für viele gehört das vielleicht zu einem routinierten Arbeitsalltag. Für deine:n Auszubildende:n entsteht daraus ein anderes Bild: Feedback bekomme ich nur, wenn etwas nicht stimmt. Das führt oft dazu, dass Unsicherheit bestehen bleibt und Feedback eher als Kritik wahrgenommen wird, nicht als Unterstützung beim Lernen.
So prägt alltägliches Verhalten, wie Feedback wahrgenommen und genutzt wird. Es wirkt vor allem dann, wenn es Vertrauen, Orientierung und einen sicheren Rahmen gibt, sonst wird es eher als Bewertung statt als Unterstützung wahrgenommen.
Die Forschung der US-amerikanischen Wirtschaftswissenschaftlerin Amy Edmondson (1999, 2003) zur psychologischen Sicherheit zeigt, dass Vertrauen und Beziehung zentrale Faktoren für erfolgreiche Lernprozesse in der Ausbildung sind. Damit Feedback angenommen werden kann, brauchen deine Auszubildenden Sicherheit. Das bedeutet, sie können Fragen stellen, Unsicherheiten zeigen und Fehler ansprechen, ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen.
Diese psychologische Sicherheit entsteht nicht durch Regeln oder Leitlinien, sondern durch dein Verhalten im Alltag. Wie du auf Fragen reagierst, wie du mit Fehlern umgehst und wie du Rückmeldungen formulierst. Auszubildende brauchen aktive Orientierung und Rückmeldung, um sich sicher zu fühlen. Wenn sie erleben, dass sie ernst genommen werden und ihre Beiträge willkommen sind, entsteht Vertrauen. Und genau dieses Vertrauen entscheidet darüber, ob Feedback wirkt.
Du kannst einen sicheren Rahmen aktiv gestalten - durch viele kleine, oft unscheinbare Momente im Alltag, die große Wirkung auf deine Auszubildenden haben können.
Diese kleinen Signale entscheiden darüber, ob sich deine Auszubildenden einbringen oder zurückziehen. Indem du typische Alltagssituationen bewusst gestaltest, schaffst du Orientierung, förderst Lernen und stärkst Motivation sowie Bindung.
Feedbackkultur entsteht nicht allein durch einzelne Feedbackgespräche, sondern durch das tägliche Miteinander. Gerade im Onboarding legst du die Grundlage dafür, wie offen, vertrauensvoll und lernorientiert die Zusammenarbeit später wird.
Als Ausbilder:in hast du dabei einen entscheidenden Einfluss. Durch dein Verhalten, deine Haltung und deine Kommunikation prägst du die Kultur, in der deine Auszubildenden lernen. Schon kleine Veränderungen können einen großen Unterschied machen: für deine Auszubildenden, für den Ausbildungserfolg und für die langfristige Bindung von Fachkräften.
Im Lernpaket „Feedbackkultur von Anfang an gestalten“ bekommst du vertiefte Einblicke, wie Feedbackkultur im Ausbildungsalltag entsteht und wie du typische Situationen im Onboarding bewusst gestalten kannst. Du erhältst praxisnahe Impulse und Methoden, die dir helfen, einen sicheren Rahmen zu schaffen und Feedback wirksam in deinen Alltag zu integrieren.
Quellen:
Edmondson, A. C. (1999). Psychological Safety and Learning Behavior in Work Teams. Administrative Science Quarterly, 44(2), 350–383.
Edmondson, A. C. (2003). Psychological safety, trust, and learning in organizations:
A group-level lens. Harvard Business School Working Paper No. 03-065.