Wie attraktive Ausbildungsanzeigen junge Menschen erreichen
Warum bleiben Ausbildungsplätze unbesetzt, obwohl Unternehmen dringend Nachwuchs suchen? Ein entscheidender Faktor wird oft übersehen: die…
Für viele Jugendliche ist die Stellenausschreibung der erste Kontakt mit einem Unternehmen. Genau hier kannst du ihr Interesse wecken, ihnen Orientierung geben und zeigen, dass sich eine Bewerbung lohnt. Als Ausbilder:in kannst du entscheidend dazu beitragen, dass Stellenausschreibungen die richtigen Informationen enthalten und junge Menschen ansprechen. Schon die Stellenausschreibung kann Interesse am Unternehmen und an der Ausbildung wecken – deshalb lohnt es sich, sie gezielt aus Sicht junger Menschen zu gestalten. Sind Texte zu lang, unübersichtlich oder fehlen wichtige Informationen, springen potenzielle Bewerbende häufig schon früh ab.
Mach es Interessierten leicht, die wichtigsten Fragen schnell zu beantworten:
Ein hilfreiches Modell für den Aufbau erfolgreicher Stellenausschreibungen ist das AIDA-Prinzip. Es beschreibt vier aufeinander aufbauende Schritte: Attention (Aufmerksamkeit), Interest (Interesse), Desire (Wunsch) und Action (Handlung). (Das AIDA-Prinzip erklärt: In vier Schritten zu maximal wirksamer Werbung - acquisa)
Besonders wichtig ist dabei, dass Informationen schnell verständlich sind. Viele Jugendliche informieren sich heute über ihr Smartphone. Deshalb sollten Stellenausschreibungen übersichtlich gestaltet sein und die Informationen enthalten, die für junge Menschen bei der Ausbildungsplatzsuche besonders wichtig sind. (Was macht die duale Ausbildung attraktiv? Bertelsmann Stiftung und IW)
Viele Stellenausschreibungen sind noch immer aus Unternehmenssicht formuliert. Häufig stehen Anforderungen, Voraussetzungen oder allgemeine Unternehmensinformationen im Mittelpunkt. Für junge Menschen sind jedoch vor allem konkrete Einblicke in die Ausbildung entscheidend. Sie möchten wissen: Wie sieht mein Arbeitsplatz aus? Welchen Zweck erfüllt meine Tätigkeit? Mit wem arbeite ich zusammen? Und welche Entwicklungsmöglichkeiten habe ich später? Ausbilder:innen können dabei unterstützen, die Perspektive zu wechseln – weg von reinen Anforderungen, hin zu verständlichen Informationen über Aufgaben, Team und Arbeitsalltag. So fällt es Interessierten leichter, sich ein realistisches Bild von der Ausbildung zu machen und zu entscheiden, ob das Angebot zu ihnen passt.
Beispiel aus der Praxis
Wenig konkret formuliert: „Du unterstützt das Team im Tagesgeschäft.“
Für potenzielle Bewerbende bleibt dabei oft unklar, welche Aufgaben tatsächlich gemeint sind.
Verständlicher formuliert: „Du hilfst bei der Vorbereitung von Kundenaufträgen, unterstützt Kolleginnen und Kollegen im Büro und lernst Schritt für Schritt die wichtigsten Abläufe kennen.“
Durch die konkrete Beschreibung entsteht ein besseres Bild vom Ausbildungsalltag. Interessierte können leichter einschätzen, was sie erwartet.
Gerade bei Ausbildungsstellen erwarten junge Menschen nicht, bereits umfassende Berufserfahrung mitzubringen. Neben einer verständlichen Aufgabenbeschreibung spielen auch die Anforderungen eine wichtige Rolle. Lange Anforderungslisten können abschreckend wirken, besonders dann, wenn sie viele Voraussetzungen enthalten oder Formulierungen wie „wünschenswert“, „idealerweise“ oder „erste Erfahrungen“ verwenden. Auch wenn diese Angaben nicht zwingend erforderlich sind, können sie bei jungen Menschen den Eindruck vermitteln, den Anforderungen nicht zu genügen.
Deshalb lohnt es sich, Anforderungen kritisch zu prüfen: Welche Qualifikationen sind für den Ausbildungsstart wirklich notwendig und was kann während der Ausbildung erlernt werden?
Moderne Stellenausschreibungen setzen deshalb auf klare Informationen und realistische Anforderungen. Besonders hilfreich sind Angaben zu:
Je konkreter diese Informationen beschrieben werden, desto leichter können sich junge Menschen vorstellen, ob die Ausbildung zu ihnen passt.
Du kannst Stellenausschreibungen schon mit wenigen Anpassungen deutlich wirksamer machen. Besonders hilfreich ist dabei dein Blick aus der Ausbildungspraxis:
Beispiel aus der Praxis
Wenig konkret formuliert: „Gute Deutschkenntnisse erforderlich.“ Diese Formulierung lässt offen, welche Sprachkenntnisse tatsächlich benötigt werden.
Verständlicher formuliert: „Du kannst einfache Gespräche im Arbeitsalltag führen und Arbeitsanweisungen verstehen.“ So wird deutlich, welche Anforderungen im Ausbildungsalltag tatsächlich relevant sind.
Generell gilt: Je konkreter Anforderungen und Aufgaben beschrieben werden, desto leichter können Interessierte einschätzen, ob die Ausbildung zu ihnen passt. Das schafft Transparenz und kann Hemmschwellen bei einer Bewerbung reduzieren.
Zeig in der Stellenausschreibung, welche Wege nach der Ausbildung offenstehen. Das motiviert junge Menschen, weil sie sehen: Die Ausbildung ist kein Endpunkt, sondern ein Start. Eine Ausbildung kann deshalb mehr sein als der Einstieg in einen Beruf. Sie bietet die Möglichkeit, praktische Erfahrungen zu sammeln und gleichzeitig die Grundlage für spätere Weiterbildungen, Spezialisierungen oder ein Studium zu schaffen. Hinweise auf solche Entwicklungsmöglichkeiten können die Attraktivität einer Ausbildung zusätzlich erhöhen.
Gestalte den Bewerbungsprozess so einfach wie möglich. Je weniger Hürden junge Menschen überwinden müssen, desto eher bewerben sie sich. Oft reicht zunächst eine Online-Bewerbung oder ein Lebenslauf, weitere Unterlagen können später nachgereicht werden.
Da viele Jugendliche Ausbildungsplätze über ihr Smartphone suchen, sollten Stellenausschreibungen auch auf mobilen Geräten gut lesbar sein. Zusätzlich können Links zur Unternehmenswebsite oder zu Social-Media-Kanälen einen authentischen Einblick in das Unternehmen und den Ausbildungsalltag geben. Eine einfache Möglichkeit, Fragen zu stellen, beispielsweise per E-Mail oder über die Website, erleichtert den ersten Kontakt. Auch Chatfunktionen oder Chatbots können Interessierten schnell weiterhelfen und die Hemmschwelle für eine Bewerbung senken.
Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels wird eine verständliche und zielgruppengerechte Kommunikation immer wichtiger. Überprüfe deine Stellenausschreibungen regelmäßig gemeinsam mit deinem Ausbildungsteam. Ihr kennt den Ausbildungsalltag, typische Aufgaben sowie die Fragen und Erwartungen junger Menschen und könnt diese gezielt in die Stellenausschreibung einfließen lassen.
Wichtig sind vor allem eine klare Sprache, transparente Informationen und ein einfacher Bewerbungsprozess. Dass diese Aspekte entscheidend sind, zeigt auch eine gemeinsame Studie der Bertelsmann Stiftung und des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW): Unternehmen stellen häufig nicht die Informationen bereit, die für junge Menschen bei der Ausbildungsplatzsuche besonders wichtig sind.
Im Lernpaket „Stellenanzeigen attraktiv gestalten“ erhältst du weitere Impulse, wie du Ausbildungsanzeigen Schritt für Schritt optimieren kannst. Du lernst das AIDA-Prinzip kennen, erhältst praktische Beispiele für gelungene Formulierungen und bekommst konkrete Hilfestellungen, um Stellenausschreibungen zielgruppengerecht zu gestalten. So kannst du die vorgestellten Ansätze direkt auf dein eigenes Unternehmen übertragen.