Übernahme mit Orientierung: So begleitet OTTO Auszubildende

Zwei Personen sitzen auf Hockern in einem hellen Raum. Ein Mann mit dunklen Haaren zeigt einer Frau mit roten Haaren auf einem Tablet etwas. Im Hintergrund sitzt ein dritter Mann an einem Schreibtisch und arbeitet am Computer. An den Wänden sind farbige Abschnitte.

Wie können Unternehmen Auszubildende erfolgreich auf den Berufseinstieg vorbereiten? OTTO setzt auf einen strukturierten Übernahmeprozess mit individueller Begleitung und gezielter Orientierung. Welche Erfahrungen das Unternehmen damit gemacht hat und welche Impulse du für den eigenen Übernahmeprozess mitnehmen kannst, erfährst du im Interview mit Daniela Stange, Senior HR Manager Early Careers.

Vom Azubi zur Fachkraft: Wie OTTO den Übergang in den ersten Job begleitet

Der Übergang von der Ausbildung in den ersten Job ist für viele Auszubildende eine entscheidende Phase und für Unternehmen ein wichtiger Hebel zur Fachkräftesicherung. OTTO begleitet seine Azubis deshalb schon lange vor dem Ausbildungsende mit einem strukturierten Übernahmeprozess, individueller Berufsorientierung und gezielter Unterstützung im Recruiting. Wie dieser Ansatz für mehr Orientierung, Transparenz und erfolgreiche Ausbildungsübernahmen sorgt und welche Erkenntnisse andere Ausbildungsverantwortliche daraus mitnehmen können, erfährst du im Interview mit Daniela Stange, Senior HR Manager Early Careers bei OTTO. 

Welche Ausgangslage, Herausforderungen oder Schwachstellen im bisherigen Übernahmeprozess haben dazu geführt, dass ihr den aktuellen Übernahmeprozess entwickelt habt? 

In unserem Ausbildungsmodell geht es verstärkt darum, sich innerhalb eines vorgegebenen Rahmens frei im Unternehmen zu bewegen, eigene Stärken und Talente zu entdecken und diese wirksam zu entfalten. Unsere Auszubildenden und dual Studierenden beginnen daher bereits nach dem Onboarding und der ersten Einsatzstation damit, ihre Einsätze in den Fachabteilungen eigenständig zu planen. Orientierung bietet dabei unsere Profilausbildung, die je Berufsbild unterschiedliche Lernfelder und Skills umfasst, die im Verlauf der Ausbildung in verschiedenen Abteilungen abgedeckt werden sollen. Gleichzeitig bleibt bewusst Raum, auch über den Tellerrand zu blicken und Erfahrungen zu sammeln, die nicht unmittelbar auf die Inhalte des Ausbildungsrahmenplans einzahlen. 

Diese Vielfalt an Stationen führt jedoch dazu, dass unsere Absolvent*innen mitunter sehr unterschiedliche Bereiche durchlaufen und es ihnen am Ende schwerer fällt, sich für ein konkretes Jobprofil zu entscheiden. Zudem kann es zu einer Diskrepanz zwischen den Vorstellungen unserer Azubis und den tatsächlich offenen Vakanzen kommen. Hinzu kam, dass es im Übernahmeprozess teilweise an Orientierung fehlte und Unsicherheiten im Hinblick auf die interne Bewerbung bestanden.  

Wie sieht heute euer Übernahmeprozess aus und wer ist daran beteiligt? 

Bereits gegen Ende des zweiten Ausbildungsjahres bereiten wir unsere Auszubildenden im Early Career Development im Rahmen unseres Zwischenstopp-Trainings auf das Ausbildungsende vor. In diesem Training reflektieren sie ihre bisherigen Ausbildungsstationen, setzen sich intensiv mit Feedback sowie ihren Stärken und Entwicklungsfeldern auseinander und formulieren ihre Ziele bis zum Ausbildungsende und darüber hinaus. Gleichzeitig geben wir damit den prozessualen Startschuss für die letzte Phase ihrer Ausbildung: die Profilvertiefung und die Konkretisierung ihres weiteren beruflichen Weges.  

Rund drei Monate später finden darauf aufbauend individuelle Entwicklungsgespräche zwischen der betreuenden HR Manager*in im Early Career Development und den Absolvent*innen statt. Ziel ist es, auf Basis eines Persönlichkeitstools, der Feedbacks aus den Einsatzbereichen sowie der persönlichen Reflexion mögliche Jobprofile und die nächsten beruflichen Schritte abzuleiten.  

Etwa neun Monate vor Ausbildungsende findet zudem mit unseren HR Manager*innen im Recruiting ein Bewerbungstraining statt. Dabei geht es nicht nur um konkrete Tipps zu den Bewerbungsunterlagen und zum Ablauf eines Bewerbungsgesprächs, sondern auch um den gesamten Bewerbungsprozess, die beteiligten Schnittstellen sowie darum, Hürden abzubauen und Orientierung zu schaffen.  

Wichtig ist uns, dass unsere Azubis während des gesamten Prozesses nicht nur eine Ansprechperson im Early Career Development haben, sondern zusätzlich von einem Recruiting Advisor begleitet werden. Dieser unterstützt im gesamten Bewerbungsprozess und steht im engen Austausch mit den Zielgruppen-Recruiter*innen, dem Betriebsrat und den Fachbereichen, sodass mögliche Irritationen frühzeitig geklärt werden können und eine Übernahme möglichst reibungslos verläuft.  

Was hat sich dadurch verbessert?  

Unsere Azubis setzen sich dadurch deutlich früher mit ihren beruflichen Vorstellungen auseinander und nutzen die letzten Einsatzstationen gezielter im Hinblick auf Profilvertiefung und Übernahme. Darüber hinaus schafft die frühzeitige und enge Begleitung durch die betreuende HR Manager*in sowie den Recruiting Advisor mehr Orientierung für alle Beteiligten und stärkt die psychologische Sicherheit der Absolvent*innen. Gerade die letzten Monate vor Ausbildungsende sind durch Prüfungen und Abschlussarbeiten ohnehin besonders herausfordernd.  

Welchen Herausforderungen seid ihr anfangs dabei begegnet? 

Eine zentrale Herausforderung in der Zusammenarbeit mit den unterschiedlichen Beteiligten bestand zunächst darin, klare Zuständigkeiten zu definieren und den Prozess so transparent wie möglich zu gestalten. Gleichzeitig musste sichergestellt werden, dass alle relevanten Informationen verlässlich und zum richtigen Zeitpunkt fließen.  

Welche Lösungen habt ihr dafür gefunden? 

Wir haben gemeinsam mit allen beteiligten Akteuren klare Verantwortlichkeiten abgestimmt und fördern einen regelmäßigen, offenen Austausch. Gleichzeitig machen wir gegenüber den Absolvent*innen transparent, dass sie den Bewerbungsprozess aktiv mitgestalten und proaktiv vorantreiben müssen.  

Was ratet ihr anderen Betrieben, wenn sie einen Übernahmeprozess entwickeln wollen? 

Wir empfehlen, alle Beteiligten von Beginn an einzubeziehen. Gerade von den Auszubildenden selbst haben wir wertvolle Hinweise darauf erhalten, wo die Schmerzpunkte im Prozess lagen und an welchen Stellen es an Transparenz oder Orientierung fehlte. Je nach Unternehmen kann es außerdem sinnvoll sein, das Thema Übernahme bereits frühzeitig in der Ausbildung aufzugreifen und die Azubis kontinuierlich in ihrer Reflexion und beruflichen Orientierung zu begleiten. Ebenso wichtig ist eine ehrliche und transparente Kommunikation, wenn eine Übernahme nicht passend ist oder sich aufgrund veränderter Rahmenbedingungen nicht realisieren lässt. Auch das hilft den Auszubildenden, sich rechtzeitig mit alternativen Perspektiven auseinanderzusetzen.  

Dieser Fachbeitrag ist Teil des folgenden Lernpakets

Azubis erfolgreich übernehmen: Zentrale Elemente, Abläufe sowie Stolperfallen verstehen und Übernahmeprozesse strukturiert begleiten.

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