Medienkompetenz in der Ausbildung mit Social Media stärken
Social Media gehört zur Lebenswelt deiner Azubis und eröffnet Chancen für die Ausbildung. Lerne, wie du Medienkompetenz gezielt aufbaust,…
Social Media bietet viele Chancen – von authentischen Einblicken in den Ausbildungsalltag bis zur Ansprache neuer Azubis. Gleichzeitig braucht jeder Beitrag einen verantwortungsvollen Umgang mit Inhalten, Kommentaren und der eigenen Vorbildfunktion. Erfahre, worauf du beim Posten, Kommentieren und Kommunizieren achten solltest.
Ob Ausbildungsmarketing, Einblicke in den Arbeitsalltag oder die Präsentation erfolgreicher Azubi-Projekte – Social Media bietet viele Möglichkeiten, Ausbildung authentisch sichtbar zu machen und mit potenziellen Azubis in Kontakt zu treten. Jede Veröffentlichung kann von anderen gesehen, kommentiert oder geteilt werden und dadurch eine unerwartet große Reichweite erzielen. Umso wichtiger ist es, Inhalte vor der Veröffentlichung bewusst zu prüfen. Damit Beiträge respektvoll, professionell und im Einklang mit den Vorgaben des Unternehmens entstehen, braucht es einen bewussten und medienkompetenten Umgang mit sozialen Medien.
Als Ausbilder:in repräsentierst du nicht nur dein Unternehmen, sondern bist auch ein digitales Vorbild für deine Auszubildenden. Wer Social Media bewusst und professionell nutzt, stärkt die Außenwirkung des Betriebs und zeigt zugleich, wie respektvolle, reflektierte und verantwortungsvolle Kommunikation im Netz gelingt.
Ein veröffentlichter Beitrag kann schnell viele Menschen erreichen und lange im Netz sichtbar bleiben. Ausbilder Paul möchte beispielsweise auf LinkedIn ein Azubi-Projekt aus seiner Werkstatt vorstellen. Sein Beitrag wird aber nicht nur von potenziellen Bewerbern gesehen – auch Kolleginnen und Kollegen, Eltern, ehemalige Azubis und Kunden können ihn ebenfalls lesen und sich daraus ein Bild vom Betrieb machen. Vor der Veröffentlichung stellt sich Paul deshalb folgende Fragen:
Sind alle Inhalte offiziell freigegeben?
Entspricht der Beitrag den Social-Media-Richtlinien des Unternehmens?
Sind alle abgebildeten Personen mit der Veröffentlichung einverstanden?
Enthält der Beitrag keine vertraulichen Informationen?
Sind Zahlen, Fakten und Quellen korrekt?
Welche Wirkung könnte der Beitrag auf Azubis, Mitarbeitende und Außenstehende haben?
Hinweis zu Bild- und Datenschutzrecht: Für die Veröffentlichung von Fotos oder Videos mit erkennbaren Personen – darunter auch Auszubildende – ist in der Regel eine informierte und nachweisbare Einwilligung erforderlich. Diese muss klarstellen, auf welchen Kanälen und zu welchem Zweck die Aufnahmen genutzt werden, und kann jederzeit widerrufen werden. Bei minderjährigen Auszubildenden sind die Anforderungen besonders sorgfältig zu prüfen. Auch urheberrechtlich geschützte Inhalte – Musik, Fotos, Grafiken, Texte – dürfen nicht ohne entsprechende Lizenz verwendet werden. Im Zweifelsfall den Datenschutzbeauftragten oder die zuständige Rechtsabteilung einbeziehen.
Auch außerhalb der Arbeitszeit nehmen dich viele Menschen als Ausbilder wahr. Deshalb solltest du dir bewusst machen, dass persönliche Aussagen häufig mit deiner Rolle als Ausbilder:in in Verbindung gebracht werden. Gerade auf beruflichen Netzwerken wie LinkedIn werden persönliche Beiträge häufig mit der eigenen beruflichen Haltung verbunden.
Unter seinem Beitrag möchte Paul ergänzen, dass er sich mehr Zeit für die individuelle Betreuung seiner Azubis wünschen würde. Da diese Aussage als Kritik an den Rahmenbedingungen seines Betriebs verstanden werden könnte, verzichtet er darauf und trennt persönliche Meinungen bewusst von der offiziellen Kommunikation seines Unternehmens.
Hilfreiche Orientierung:
Berufliche und private Kommunikation möglichst klar voneinander trennen.
Persönliche Einschätzungen klar als eigene Meinung kennzeichnen.
Keine vertraulichen Informationen über das Unternehmen, Kolleginnen und Kollegen oder Kunden veröffentlichen.
Unternehmensinformationen ausschließlich über offizielle Kanäle und nach Freigabe veröffentlichen.
Bedenken, dass auch ein privates Profil Rückschlüsse auf die berufliche Rolle und das Unternehmen zulassen kann – unabhängig davon, ob berufliche und private Accounts getrennt geführt werden.
Zu Social Media gehören nicht nur positive Rückmeldungen, sondern auch kritische Kommentare und unterschiedliche Meinungen. Was als kontrovers oder relevant wahrgenommen wird, kann dabei von Generation zu Generation unterschiedlich sein. Beziehe deshalb auch deine Azubis in die Content-Produktion ein: Ihre Perspektive kann helfen, Themen und Inhalte aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten und Reaktionen besser einzuschätzen.
Werden jedoch Grenzen überschritten, solltest du konsequent handeln. Auch Paul erhält unter seinem Post eine negative Rückmeldung. Ein Nutzer schreibt „Bei euch werden Azubis doch sowieso nur ausgenutzt.“ Paul ist bewusst, dass sachliche Kritik eine respektvolle Antwort verdient. Persönliche Angriffe, Beleidigungen oder diskriminierende Kommentare muss er jedoch nicht hinnehmen.
Paul entscheidet sich, den Kommentar nicht zu löschen. Er antwortet sachlich und lädt zu einem konkreteren Austausch ein: „Schade, dass du diesen Eindruck hast. Uns ist wichtig, dass unsere Azubis gute Bedingungen vorfinden und ihre Ausbildung aktiv mitgestalten können. Wenn du konkrete Erfahrungen gemacht hast, kannst du sie gerne mit uns teilen.“
So zeigt Paul, dass er Kritik ernst nimmt, ohne sich auf eine emotionale Diskussion einzulassen. Würde der Nutzer anschließend beleidigend werden, wiederholt provozieren oder gegen die Community-Regeln verstoßen, könnte Paul den Kommentar moderieren, löschen oder den Nutzer blockieren.
Die internen Handlungsempfehlungen seines Betriebs geben ihm dabei Orientierung:
Fragen sachlich beantworten
Kritik ernst nehmen und respektvoll reagieren
Falschinformationen freundlich richtigstellen
Nicht auf Provokationen oder Troll-Kommentare eingehen
Beleidigende, diskriminierende oder extremistische Inhalte melden und nach Möglichkeit moderieren oder löschen
Nutzer blockieren, wenn sie wiederholt gegen die veröffentlichten Community-Regeln verstoßen oder andere Nutzer:innen bedrohen, beleidigen oder diskriminieren.
Bei strafbaren Inhalten oder akuter Bedrohung die zuständigen Stellen einschalten.
Klare Regeln entlasten Ausbilder:innen. Im Fall von Paul sorgen klare Social-Media-Regeln im Betrieb dafür, dass er auch in schwierigen Situationen sicher handeln kann. Er weiß, welche Inhalte veröffentlicht werden dürfen, wer Beiträge freigibt und an wen er sich bei Unsicherheiten wenden kann.
Dazu gehören unter anderem:
Pauls Beispiel zeigt: Ein erfolgreicher Social-Media-Beitrag beginnt bereits vor der Veröffentlichung. Schon bei der Planung spielen Datenschutz, Persönlichkeitsrechte und Unternehmensvorgaben eine Rolle. Nach der Veröffentlichung helfen ein professioneller Umgang mit Kommentaren und klare Regeln im Betrieb dabei, handlungssicher im Netz aufzutreten.
Azubis lernen nicht nur durch Anleitungen, sondern auch durch Vorbilder. Wer Social Media verantwortungsvoll nutzt, zeigt im Ausbildungsalltag, wie digitale Kommunikation sicher, respektvoll und professionell gelingt. So wird Social Media nicht nur zu einem Instrument für Ausbildungsmarketing, sondern auch zu einem Lernfeld für Medienkompetenz im Ausbildungsalltag.
Quellen:
Deloitte/ business-wissen.de, Verhaltensregeln: Social-Media-Guidelines für Mitarbeiter – mit Beispielen
Kliemt Blog, 2024, Ein schmaler Grat: Social-Media-Nutzung im Arbeitsumfeld