Die Auswirkungen psychischer Probleme auf Azubis und in Unternehmen

Immer mehr junge Menschen leiden unter psychischen Problemen – auch in der Ausbildung. Unternehmen, die nicht reagie­ren, riskieren Ausfälle, hohe Fluktuation und den Verlust junger Talente. Der Fachbeitrag zeigt, welche Folgen die psychische Belastung der Gen Z für deinen Betrieb hat – und wie du als Ausbilder:in gezielt gegensteuern kannst.  

Psychische Belastung bei jungen Menschen nimmt weiter zu

Die Studie „Jugend in Deutschland 2025“ ergab: Die psychische Belastung junger Menschen ist während der Corona Pandemie stark angestiegen – und seitdem nicht mehr zurückgegangen. Dabei sind Stress, Erschöpfung und Selbstzweifel die am häufigsten genannten psychischen Belastungen unter den 14-19-Jährigen.

Insgesamt 24 % der dieser Altersgruppe wiesen eine so starke psychische Belastung auf, dass sie professionelle Unterstützung für erforderlich hielten, und 13% gaben an, sich bereits in Behandlung zu befinden. Das bedeutet: Knapp jeder vierte junge Mensch ist betroffen – auch in deinem Ausbildungsbetrieb ist also die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Azubis darunter leiden. Doch was bedeutet „psychische Gesundheit“ eigentlich konkret für deinen Ausbildungsalltag? 

Psychische Gesundheit ist mehr als die Abwesenheit von Krankheit

Die WHO beschreibt psychische Gesundheit als integralen Bestandteil von Gesundheit. Gemeint ist nicht nur das Fehlen von Krankheit, sondern ein Zustand körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens.

Für den Ausbildungsalltag bedeutet das:

• Psychische Stabilität ist Voraussetzung für Lernfähigkeit, Motivation und Entwicklung.

• Fehlt sie, leidet nicht nur der junge Mensch – auch die Ausbildungsqualität sinkt.

• Psychische Gesundheit ist damit kein Randthema, sondern ein Grundbaustein professioneller Ausbildung.

Fürsorgepflicht im Ausbildungsalltag verstehen

Die Verantwortung für das Wohl der Azubis ist nicht nur eine Frage der Haltung, sondern auch gesetzlich verankert:

• Nach § 3 Arbeitsschutzgesetz muss der Arbeitgeber die Gesundheit seiner Mitarbeitenden schützen.

• Das Berufsbildungsgesetz verpflichtet Ausbilder:innen, die körperliche, geistige und sittliche Unversehrtheit der Azubis sicherzustellen.

Das beginnt nicht erst im Ernstfall, sondern in der der täglichen Ausbildungspraxis. Du erfüllst deine Fürsorgepflicht bereits mit einfachen, aber wirksamen Maßnahmen:

• Hinschauen und Zuhören

• Offene und sichere Gesprächsräume schaffen

• Betriebliche Präventionsangebote nutzen

Deine Tätigkeit als Ausbilder:in beinhaltet zwar keine therapeutische Rolle, aber schon deine Offenheit und Aufmerksamkeit kann belasteten Jugendlichen helfen, Vertrauen zu fassen und professionelle Hilfe anzunehmen.

Und das lohnt sich auch für dein Unternehmen.

Psychische Erkrankungen belasten auch die Unternehmen

Die Zahlen aus dem Psychreport 2025 der DAK verdeutlichen den Ernst der Lage: Während der Durchschnitt der AU‑Fälle infolge psychischer Erkrankungen in der Gesamtbevölkerung bei 10,4 Fällen je 100 Versicherte liegt, erreicht der Durchschnitt der drei Altersgruppen 15–19, 20–24 und 25–29 Jahre, 11,5 AU‑Fälle je 100 Versicherte mit einer durchschnittlichen Falldauer von 17,9 Krankentagen.

Hauptursache bleibt – wie bereits im Vorjahr – die Depression: Sie stellt weiterhin den häufigsten Anlass für Krankschreibungen dar, gefolgt von Belastungsreaktionen und Anpassungsstörungen. Sowohl eine Häufung kurzer Fehlzeiten als auch längere krankheitsbedingte Ausfälle sind als mögliches Warnsignal für psychische Belastungen zu werten.

Handlungsbedarf für Ausbilderinnen und Ausbilder

Für dich bedeutet das: Nimm psychische Belastungen ernst und biete aktiv Unterstützung an.

Konkrete Handlungsmöglichkeiten sind:

  • regelmäßige, vertrauliche Gespräche führen („Wie geht’s dir wirklich?“)
  • ein offenes Betriebsklima schaffen, das Fehler, Unsicherheiten und Fragen zulässt
  • auf Anlaufstellen aufmerksam machen (BEM, Jugend und Auszubildendenvertretung, externe Beratungsstellen)
  • klare Strukturen etablieren: Tagesabläufe, Lernziele, Erwartungen
  • Mentor:innen oder Pat:innen im Team

Praxisbeispiel: Ein Azubi wirkt in den letzten Wochen stiller und unkonzentrierter. Statt dies als Desinteresse zu deuten, gehst du in ein ruhiges Gespräch, fragst nach Belastungen, bietest Unterstützung an und verweist auf interne Ansprechstellen. Das zeigt Fürsorge – und wirkt präventiv.

Warum Unternehmen profitieren, wenn sie aktiv werden

Betriebe, die die psychische Gesundheit ihrer Nachwuchskräfte fördern, profitieren von: 

  • höhere Zufriedenheit und Produktivität 
  • weniger krankheitsbedingte Ausfälle 
  • geringere Abbruchquote 
  • attraktiveres Arbeitgeberimage

Psychische Gesundheit ist kein „Nice-to-have“, sondern ein entscheidender Erfolgsfaktor für moderne Ausbildung.

Fazit: Verantwortung übernehmen – Ausbildung stärken

Psychische Belastungen gehören zur Realität vieler junger Menschen. Als Ausbilder:in kannst du die Ursachen zwar nicht lösen, aber mit einer offenen Haltung, Aufmerksamkeit und Gesprächsbereitschaft kannst du dazu beitragen, dass deine Azubis besser damit umgehen können. Und das ist ein Gewinn - für die Jugendlichen und für deinen Betrieb.

Quellen:

Schnetzer Simon, Hampel Kilian, Hurrelmann Klaus (2025): Trendstudie „Jugend in Deutschland 2025 – Zukunft made in Germany – Besorgt, doch nicht hoffnungslos”. Datajockey Verlag, Kempten

DAK-Psychreport 2025: Fehltage wegen Depressionen: caas.content.dak.de/caas/v1/media/91772/data/4e1fc7bc25d1abe1339535a2da6d9be4/dak-psychreport-ergebnis-praesentation.pdf

Dieser Fachbeitrag ist Teil des folgenden Lernpakets

Psychische Gesundheit ist vielschichtig: Erfahre mehr über Faktoren, Auswirkungen sowie deine Verantwortung und Handlungsoptionen als Ausbilder:in. 

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