Macht ChatGPT dumm? Was für Ausbilder:innen jetzt wichtig ist
Generative KI wie ChatGPT gehört längst zum Ausbildungsalltag. Auszubildende nutzen sie für Recherche, Texte oder schnelle Lösungen. Das…
Generative KI wie ChatGPT gehört längst zum Ausbildungsalltag. Auszubildende nutzen sie für Recherche, Texte oder schnelle Lösungen. Das spart Zeit, birgt aber Risiken: Wenn KI Denkprozesse ersetzt statt unterstützt, droht Kompetenzverlust. Entscheidend ist daher nicht, ob KI genutzt wird, sondern wie – und welche Rolle Ausbilderinnen und Ausbilder dabei spielen.
Generative KI-Systeme wie ChatGPT sind längst im Ausbildungsalltag angekommen. Auszubildende nutzen sie, um Informationen zu recherchieren, Texte zu formulieren oder Aufgaben schneller zu erledigen. Das wirkt effizient und entlastend, birgt aber auch Risiken. Denn Lernen lebt nicht nur vom Ergebnis, sondern vom Denkprozess dahinter.
Genau hier wird deine Rolle als Lernbegleiter:in und Gestalter:in von Lernprozessen wichtig: Du kannst dazu beitragen, dass KI den Lernprozess sinnvoll unterstützt, anstatt dass wichtige Denk- und Problemlöseprozesse verdrängt werden.
Umfragen wie die der Bitkom zeigen, dass fast die Hälfte der Schülerinnen und Schüler befürchten, dass sie durch KI verdummen. Deshalb fordern sie auch, dass KI nicht zur Bearbeitung von Hausaufgaben genutzt werden sollte. Ursache ist, dass fast ein Viertel angibt, Hausaufgaben gar nicht mehr selbst zu erledigen. Andererseits werden auch Chancen klar benannt. Etwa beim Thema KI als Nachhilfe. Ein Viertel gibt an, dass KI Dinge besser erklärt, als die eigenen Lehrerinnen und Lehrer. Sie nutzen KI dann als kostenlose Nachhilfe.
Wenn Auszubildende KI als hilfreiche Erklärungshilfe erleben, ist das für Ausbilderinnen und Ausbilder ein wichtiges Signal. Es zeigt, dass KI Lernprozesse unterstützen kann – etwa durch schnelle, individuelle Erklärungen. Gleichzeitig braucht es die Begleitung durch Ausbilderinnen und Ausbilder, damit Auszubildende die Antworten prüfen, einordnen und mit eigenen Überlegungen verbinden. KI macht also nicht automatisch dumm. Entscheidend ist, ob sie als Ersatz für eigenes Denken oder als Werkzeug zum besseren Verstehen genutzt wird. KI-Nutzung macht also nicht zwangsläufig dumm. Die kluge Nutzung ist entscheidend.
Deine Auszubildenden greifen nicht zufällig zu KI-Tools wie ChatGPT. Sie tun es, weil diese konkrete Bedürfnisse erfüllen: Zeit sparen, Unsicherheit reduzieren, schnelle Antworten erhalten, Leistungsdruck bewältigen oder tatsächlich KI-basiert „wirklich“ besser Lernen.
Für dich als Ausbilderin und Ausbilder ist es deshalb wichtig, diese Nutzungsmotive zu kennen. Denn nur so kannst du einschätzen, ob KI deinen Auszubildenden beim Lernen hilft oder ob sie eigene Denkprozesse ersetzt. Sprich deshalb mit deinen Auszubildenden darüber, wofür sie KI nutzen. Frage zum Beispiel: „Wobei hat dir KI geholfen?“, „Was hast du selbst verstanden?“, oder „Welche Antwort würdest du noch einmal prüfen?“ So machst du die KI-Nutzung sichtbar und unterstützt deine Auszubildenden dabei, KI bewusst und lernförderlich einzusetzen.
Wenn KI vor allem genutzt wird, um Anstrengung zu vermeiden, entsteht ein Risiko: KI-Malaise! Diese ist ein Zustand kognitiver Ermüdung durch unreflektierte KI-Nutzung. Dies zeigt auch eine MIT-Studie. Der Begriff KI-Malaise lehnt sich an die Videomalaise der 1980er-Jahre an, bei der geistige Passivität bei passivem Medienkonsum beobachtet wurde. Studien zeigten jedoch, dass aktive Nutzung Lernprozesse fördert. Dieses Muster gilt auch für KI: Passive Nutzung begünstigt Kompetenzverlust, aktive Nutzung bewirkt das Gegenteil.
Berufliche Ausbildung zielt auf Handlungskompetenz. Dazu gehören Fachwissen, Problemlösefähigkeit, Urteilsvermögen und selbstständiges Denken. Wenn KI diese Prozesse ersetzt, statt begleitet, werden genau diese Kompetenzen geschwächt. KI kann Lernprozesse bereichern, wenn „Belohnungsmuster“ gezielt angesprochen werden. Belohnungsmuster bedeutet hier, dass Auszubildende einen Zweck mit der KI-Nutzung verfolgen. Sie wollen die Aufgabe schnell erledigen, oder auch schnelles Feedback. Klappt das mit KI, dann ist dieser Erfolg wie eine Belohnung für das Gehirn und deine Auszubildenden werden KI gern weiter zum Lernen verwenden. Wenn du sie beim Lernen und Arbeiten mit KI engmaschig begleitest, Tipps gibst und zur Reflexion und zum Faktencheck kontinuierlich anregst, dann lernen deine Auszubildenden die KI-Antworten kritisch einzuordnen und auch eigene Lösungen weiterzuentwickeln. Die unmittelbare Belohnung liegt dann nicht mehr nur im schnellen Ergebnis, sondern im Erkenntnisgewinn.
In deiner Ausbildungspraxis kannst du beeinflussen, warum und wie KI genutzt wird. Du setzt die Rahmenbedingungen, die nicht nur Effizienz belohnen, sondern auch Verstehen, Reflexion und Eigenleistung. Wenn du Aufgaben so gestaltest, dass KI zur Unterstützung von Denkprozessen dient, etwa zum Vergleichen, Begründen oder Überprüfen, verschieben sich die Nutzungsmotive von Bequemlichkeit hin zur Lernorientierung. Es ist dann sinnvoll, Aufgaben so zu gestalten, dass Copy-Paste allein nicht funktioniert. Dieses Beispiel zeigt dir in drei Schritten, wie es gelingen kann
KI wird Teil der beruflichen Realität bleiben. Du hast maßgeblichen Einfluss darauf, wie KI im Ausbildungsalltag genutzt wird. Du gestaltest die Lernumgebung und setzt den Rahmen, in dem KI eingesetzt wird. Damit verschiebt sich deine Rolle: weg von reiner Wissensvermittlung hin zur bewussten Steuerung von KI-gestützten Lernprozessen. Du unterstützt Auszubildende dabei, KI-Ergebnisse einzuordnen, zu hinterfragen und mit eigenen Lösungswegen zu vergleichen. Mit klaren didaktischen Leitplanken, Reflexion und bewusster Gestaltung von Lernprozessen wird KI zu einem Instrument für nachhaltigen Kompetenzaufbau in deiner Ausbildung. Nutzen kannst du hierzu beispielsweise den KI-Lernfahrplan.
Im Lernpaket „Lernen mit KI – Azubi-Kompetenzverlust durch KI verhindern“ bekommst du einen Einblick in die Bereiche KI-Didaktik und reflektierte KI-Nutzung. Darüber hinaus bekommst du praxisnahe Tipps an die Hand, wie den KI-Lernfahrplan und weitere Impulse in Form von Workshops und Vorträgen, in denen du erfährst, wie du der Herausforderung “Kompetenzverlust durch KI” im Ausbildungsalltag begegnen kannst.