Kfz-Ausbildung: Wie Azubis die richtige Diagnose stellen

In der Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker erleben viele Auszubildende eine Kluft zwischen theoretischem Wissen und praktischer Anwendung, besonders bei der Diagnose von Fahrzeugstörungen. Dieser Beitrag beleuchtet das Theorie-Praxis-Problem aus der Erfahrung des Autors heraus und zeigt auf, wie durch innovative Lehrmethoden und den Einsatz digitaler Werkzeuge die genannte Kluft überbrückt werden kann.

Denke ich an meine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker (2008-2012), kommt mir besonders eine Herausforderung immer wieder in den Sinn – Das Diagnostizieren von Kfz-Störungen. Ein Fall sticht in meiner Erinnerung dabei besonders hervor: Ein Kundenfahrzeug wurde vom ADAC eingeschleppt, da es während der Fahrt plötzlich ausging und sich partout nicht wieder starten ließ.

Ein komplizierter Diagnoseprozess beginnt - praktische Erfahrungen hatte ich kaum

In der Werkstatt angekommen sprang das Fahrzeug wieder an; fast so, als wäre nichts gewesen. Die Diagnose gestaltete sich allerdings äußerst schwierig. Es lag eine Vielzahl von Fehlerspeichereinträgen vor, von denen mehrere relevant für die Diagnose waren.

So begann ein umfassender und langwieriger Diagnoseprozess, bei dem mein Geselle die Hauptrolle spielte und ich als Auszubildender im 2. Ausbildungsjahr danebenstand und versuchte, seine Gedankengänge nachzuvollziehen und nach bestem Wissen zu unterstützen. Meistens bestand diese Unterstützung jedoch nur in kleinen Handreichungen von Werkzeugen etc., weil mir für eine bessere Unterstützung schlichtweg das notwendige Wissen und die notwendige praktische Erfahrung fehlte.

Vermutungen über die Störungsursache aufstellen und prüfen

Im Diagnoseprozess gilt es, sinnvolle Vermutungen über die Störungsursache aufzustellen. Diese werden mit entsprechenden Tests (z.B. elektrotechnischen Messungen) bestätigt oder abgelehnt, indem Testergebnisse in Bezug zu Sollwerten und Störungssymptomen interpretiert werden. Aus diesen Interpretationen müssen anschließend sinnvolle Schlussfolgerungen für die Reparatur gezogen werden.

Bei dem abgeschleppten Kundenfahrzeug lag die Ursache in einer beschädigten Kabelisolierung, wodurch eindringendes Wasser zur Korrosion der Kabel und somit zu Problemen im Motorsteuergerät führte. Durch das Ersetzten des Kabelbaums wurde der Fehler letztendlich behoben.

Übungsmöglichkeiten für Azubis sind rar

Dieses Beispiel gibt einen groben Einblick in die Realität der Kfz-Mechatroniker-Ausbildung, die sicherlich von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich ist. Allgemein gilt jedoch, dass es bei Störungsdiagnosen an Kraftfahrzeugen viele Aspekte zu beachten gibt. Gleichzeitig haben Auszubildende wenig Chancen Diagnosetätigkeiten im Betrieb praktisch zu üben, da an Kundenfahrzeugen nichts riskiert werden darf.

Zusätzlicher Zeitdruck lässt häufig wenig Raum für eine ausführliche praktische Ausbildung in der Diagnose von Kfz-Störungen. Im Berufsschulunterricht erworbenes Wissen kann so nur selten praxisnah angewendet werden. Auch überbetriebliche Ausbildungslehrgänge und Hilfsmittel wie z.B. der „Autofachmann“ können hier nur teilweise Abhilfe schaffen. Somit bleibt oft eine Lücke zwischen theoretischem Wissen und praktischer Anwendung bestehen. 

Azubis können Stromlaufpläne meist nicht effektiv nutzen

Wir haben Auszubildende im zweiten und dritten Lehrjahr zu ihren Kenntnissen befragt. Das Ergebnis: Nur etwa 15 Prozent der Auszubildenden können am Ende der Ausbildung komplexe Störungen an Kraftfahrzeugen diagnostizieren. Grundlegende Fähigkeiten, wie das effektive Nutzen von Stromlaufplänen, beherrschen ca. 50 Prozent der Auszubildenden im 3. Ausbildungsjahr nicht.  

Hier sind praxisnahe Übungen notwendig. Die digitale Förderung hilft dabei!

Verbesserte Lehrmethoden und die Integration digitaler Möglichkeiten könnten zukünftigen Generationen von Kfz-Mechatroniker:innen dabei helfen, besser auf die Anforderungen der realen Arbeitswelt vorbereitet zu sein.

 

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