Internationale Auszubildende leisten einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung. Doch ein erfolgreicher Ausbildungsstart beginnt bereits vor dem ersten Arbeitstag. Erfahre, warum ein strukturiertes Preboarding entscheidend ist, welche Herausforderungen internationale Azubis bewältigen und wie du sie als Ausbilder:in von Anfang an erfolgreich begleiten kannst.
Zwischen Vertragsunterzeichnung und Ausbildungsbeginn müssen internationale Auszubildende nicht nur organisatorische Aufgaben bewältigen, sondern sich häufig auch auf ein neues Land, eine neue Sprache und ein neues Arbeitsumfeld einstellen. Preboarding umfasst alle Maßnahmen zwischen Vertragsabschluss und Ausbildungsbeginn, die zukünftige Auszubildende auf ihren Start vorbereiten. Ein gelungenes Preboarding schafft in dieser Phase Orientierung, reduziert Unsicherheiten und stärkt frühzeitig die Bindung an den Ausbildungsbetrieb. Als Ausbilder:in kannst du entscheidend dazu beitragen, dass der Einstieg in Ausbildung und Alltag gelingt. In diesem Beitrag erfährst du, warum Preboarding für internationale Auszubildende besonders wichtig ist und mit welchen Maßnahmen du sie von Anfang an erfolgreich begleiten kannst.
Der demografische Wandel und zunehmende Fachkräfteengpässe erschweren in vielen Regionen und Ausbildungsberufen die Besetzung von Ausbildungsplätzen. Laut dem Bundesinstitut für Berufsbildung (Vgl. BIBB, 2025, 23f.) blieben 2024 zum Stichtag 30. September 12,8 Prozent der betrieblichen Ausbildungsplätze in Deutschland unbesetzt. Internationale Auszubildende gewinnen deshalb zunehmend an Bedeutung für die Fachkräftesicherung. Bereits 57 Prozent der Unternehmen sehen Auszubildende aus Drittstaaten als Chance zur Deckung ihres Fachkräftebedarfs und fast jeder dritte Betrieb hat bereits entsprechende Erfahrungen gesammelt (Vgl. DIHK, 2025, 5f.). Das spiegelt sich auch im Anteil ausländischer Auszubildender wider, der in den vergangenen zehn Jahren deutlich anstieg (Vgl. BIBB, 2024). Im Jahr 2024 entfielen bereits 14,7 Prozent (rund 70.000) der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge auf ausländische Auszubildende (Vgl. BIBB, 2024; Tagesschau, 2025). Rund 80 Prozent dieser Auszubildenden kamen aus Drittstaaten, die übrigen aus EU-Mitgliedstaaten (Vgl. Mediendienst Integration, 2026).
Durch die Beschäftigung internationaler Auszubildender profitieren Unternehmen nicht nur von zusätzlichem Fachkräftenachwuchs, sondern auch von kultureller Vielfalt und damit verknüpft von neuen Perspektiven. In kulturell vielfältigen Ausbildungsteams fördern unterschiedliche Erfahrungen, Werte und Sichtweisen den Wissensaustausch, kreatives Problemlösen und die interkulturelle Kompetenz. Darüber hinaus weisen internationale Auszubildende häufig eine hohe Motivation und langfristige Bleibeabsichten auf, da sie ihre Ausbildung bewusst mit einer beruflichen Perspektive in Deutschland verbinden. Um dieses Potenzial langfristig zu nutzen, ist ein gelungener Einstieg in Ausbildung und Betrieb entscheidend.
Gerade in der Phase zwischen Vertragsabschluss und erstem Ausbildungstag können Unsicherheiten entstehen, die dazu führen, dass Auszubildende ihre Entscheidung hinterfragen oder den Ausbildungsplatz kurzfristig absagen. Häufige Fragen, die sich angehende Auszubildende stellen, betreffen beispielsweise die Aufnahme im Team, den Umzug oder die Anforderungen der Ausbildung. Entscheidend ist daher, den Kontakt nicht abreißen zu lassen, Orientierung zu geben und offene Fragen zu klären. Hier setzt Preboarding an: Es umfasst alle Maßnahmen zwischen Vertragsabschluss und erstem Ausbildungstag. Ziel des Preboardings ist es, Zugehörigkeit, Sicherheit und Orientierung bereits vor Ausbildungsbeginn zu fördern.
Ein strukturiertes Preboarding ist für internationale Auszubildende besonders wichtig, da sie neben dem Start in eine neue Ausbildung zusätzliche sprachliche, kulturelle und organisatorische Herausforderungen bewältigen müssen. Bereits vor Ausbildungsbeginn sind häufig Aufgaben wie Visum, Wohnungssuche, Krankenversicherung oder Wohnsitzanmeldung zu klären. Der Ausbildungsbetrieb sollte hierbei Unterstützung bieten und die Auszubildenden nicht allein lassen. Neben diesen organisatorischen Herausforderungen stellt auch die soziale Integration eine wichtige Aufgabe dar, da der Umzug in ein neues Land häufig den Verlust vertrauter sozialer Netzwerke und Strukturen bedeutet. Ein frühzeitiger Kontakt schafft Orientierung, reduziert Unsicherheiten, erleichtert die Integration und stärkt die Bindung zum Ausbildungsbetrieb.
Internationale Auszubildende und ihre zukünftigen Ausbildungsbetriebe stehen vor Ausbildungsbeginn und während der Eingewöhnungsphase vor verschiedenen Herausforderungen:
Sprachlich: Sprachbarrieren können die Kommunikation sowie den Zugang zu Informationen erschweren.
Organisatorisch: Visums- und Aufenthaltsverfahren erfordern eine frühzeitige Planung. Zudem erschweren Aufgaben wie Wohnungssuche, Behördengänge, Krankenversicherung und Bankkontoeröffnung den Start in Deutschland. Von Unternehmen wird besonders fehlender bezahlbarer Wohnraum als zentrale Herausforderung genannt.
Sozial und kulturell: Unterschiede in Kommunikationsstilen, Arbeitskultur und Erwartungen sowie fehlende soziale Kontakte können die Integration erschweren.

Ein erfolgreiches Preboarding schafft Orientierung, Sicherheit und eine frühzeitige Bindung an den Ausbildungsbetrieb. Für Ausbilder:innen bedeutet dies, dass Integration nicht erst mit dem ersten Ausbildungstag beginnt. Bereits vor Ausbildungsbeginn können sie durch einfache Maßnahmen Sicherheit schaffen und eine positive Beziehung zu den zukünftigen Auszubildenden aufbauen. Zentrale Erfolgsfaktoren sind:
Bei der Gestaltung eines erfolgreichen Übergangs in die Ausbildung übernimmst du als Ausbilder:in eine Schlüsselrolle. Du übermittelst Informationen, hältst den Kontakt aufrecht, übernimmst organisatorische Aufgaben, bereitest den Ausbildungsstart vor und bist eine zentrale Ansprechperson bei Fragen und Unsicherheiten. Im Idealfall bist du hiermit jedoch nicht allein, sondern Pat:innen oder Buddys stehen dir beiseite – das können sowohl erfahrene Kolleg:innen als auch Azubis aus dem dritten Lehrjahr sein. Diese unterstützen die neuen Azubis als zusätzliche Ansprechpersonen bei der fachlichen, sozialen und persönlichen Integration und helfen ihnen, sich im Unternehmen sowie im neuen Alltag in Deutschland zurechtzufinden. Besonders wichtig ist, kulturelle Sensibilität zu zeigen und zusätzliche Zeit für Orientierung und Rückfragen einzuplanen.
Internationale Auszubildende gewinnen für die Fachkräftesicherung in Deutschland zunehmend an Bedeutung. Die Preboarding-Maßnahmen in der Phase zwischen Vertragsunterzeichnung und Ausbildungsbeginn stärken Motivation, Bindung und Vertrauen der internationalen Azubis. Ein strukturiertes Preboarding hilft, Unsicherheiten abzubauen, Zugehörigkeit zu fördern und den Grundstein für eine erfolgreiche Ausbildung zu legen. Preboarding ist damit nicht nur eine organisatorische Vorbereitung, sondern ein wichtiger Bestandteil moderner Ausbildungsarbeit. Du als Ausbilder:in spielst dabei eine Vielzahl an zentralen Rollen, zum Beispiel als Beziehungsgestalter:in, Organisator:in und betriebliche Kontaktperson.
Im Lernpaket „Preboarding internationaler Auszubildender erfolgreich gestalten“ bekommst du einen Einblick in die zentralen Erfolgsfaktoren eines gelungenen Preboardings, die besonderen Herausforderungen internationaler Auszubildender sowie die Rolle von Ausbilder:innen bei der Begleitung vor Ausbildungsbeginn. Darüber hinaus erhältst du praxisnahe Tipps und Methoden, wie du internationale Auszubildende bereits vor dem ersten Ausbildungstag gezielt unterstützen, Orientierung schaffen und die Integration in den Ausbildungsbetrieb fördern kannst. Das Lernpaket zeigt dir, wie du Preboarding-Maßnahmen an deine betrieblichen Rahmenbedingungen anpassen und einen erfolgreichen Start in die Ausbildung gestalten kannst.
Weitere Vorteile internationaler Auszubildender sowie Informationen zur erfolgreichen Rekrutierung findest du im Fachbeitrag meines Kollegen Anton Steinföhr: Neue Talente, neue Wege: Erfolgreich Azubis aus dem Ausland gewinnen.