So setzt du einen guten Rahmen für die KI-Nutzung in der Ausbildung

Zwei Personen, ein Mann und eine Frau, sitzen an einem Tisch in einem modernen Labormilieu. Sie schauen gemeinsam auf ein Tablet, während die Frau mit einem Stift darauf zeigt. Beide wirken engagiert und in ein Gespräch vertieft.

Seit Februar 2025 gelten die ersten Pflichten des EU AI Acts insbesondere zu KI-Kompetenz / AI Literacy und verbotenen KI-Praktiken. Zusätzlich gelten weitere Gesetze. Für deine Ausbildungspraxis heißt das: Du berücksichtigst zentrale Leitlinien, damit deine Auszubildenden KI-Tools souverän und sicher einsetzen können. (Keine Rechtsberatung).

KI in der Ausbildung: So sorgst du für klare Leitplanken

Künstliche Intelligenz (KI) ist längst im Arbeitsalltag angekommen – und damit auch in der Ausbildung. KI-Anwendungen wie ChatGPT oder Microsoft Copilot können dich und deine Auszubildenden beim Lernen, Recherchieren und Strukturieren von Aufgaben wirkungsvoll unterstützen. Gleichzeitig wirft der Einsatz von KI neue Fragen auf: Welche KI-Tools sind in meinem Unternehmen überhaupt erlaubt?  Wie lassen sich Datenschutz, Urheberrecht und Vertraulichkeit einhalten? Und wann müssen KI-Ergebnisse kritisch geprüft werden? Als Ausbilder:in schaffst du hier Orientierung und vermittelst deinen Auszubildenden einen sicheren und verantwortungsvollen Umgang mit KI.   Erfahre, wie du den rechtlichen Rahmen für die KI-Nutzung sicher ausgestaltest.

Klare, konkrete Leitplanken

Auszubildende stehen am Anfang ihres Berufslebens, sind teilweise noch minderjährig und viele sammeln gerade erste Erfahrungen mit betrieblichen Daten, Kundensituationen und fachlichen Standards. Sie gelten deshalb als schutzwürdige Gruppe. Mit klaren Leitplanken unterstützt du deine Auszubildenden dabei, KI sicher und reflektiert zu nutzen. Gleichzeitig nimmst du deine Sorgfaltspflicht (Bundesnetzagentur 2025) als Ausbilderin oder Ausbilder aktiv wahr und stärkst ihre KI-Kompetenz im Ausbildungsalltag. Ein guter Rahmen für das Lehren mit KI ist deshalb sehr wichtig. Dieser entsteht durch einfache und verständliche Leitlinien und Beispiele. Du legst fest, welche KI-Tools genutzt, wofür sie genau eingesetzt werden und wo Grenzen liegen. Oft reichen wenige Regeln, ergänzt durch anschauliche Einsatzszenarien.  

Welches KI-Tool darf genutzt werden? “Nicht jedes KI-Tool ist vom Unternehmen zur Nutzung freigegeben. Hier gilt es, gemeinsam mit der IT zu klären, welche KI-Tools die Auszubildenden nutzen dürfen.”

Wofür darf KI genutzt werden? “KI darf beim Sammeln von Ideen, Strukturieren und Formulieren unterstützen.“

Wie wird die Nutzung transparent gemacht? „Wenn KI genutzt wurde, wird kurz dokumentiert, wofür sie eingesetzt wurde.“ Hierbei kann auch der KI-Lernfahrplan helfen, der einen sehr einfachen Dokumentationsvorschlag enthält, die so genannte Lern-Schritt-Liste. Der KI-Lernfahrplan gibt zudem auch Tipps, wie das Zusammenspiel der selbständigen Arbeit deiner Auszubildenden mit KI und der Begleitung durch dich als Ausbilder:in gestaltet werden kann. 

Was beim Umgang mit KI-Diensten stets wichtig ist

Fast alle seriösen KI-Dienste schreiben in den allgemeinen Geschäftsbedingungen, dass man diese nur rechtskonform nutzen darf und auch die Rechte Dritter beachten muss. Das bedeutet, es gelten Gesetze wie der EU AI ACT, Datenschutz oder auch das Urheberrecht. Je nach Verwendungszweck kann es komplex werden. Deshalb lautet ganz zu Beginn stets die Empfehlung: Deine Auszubildenden erhalten von dir Aufgaben, die keine personenbezogenen Daten enthalten und von dir freigegebene Dokumente, Fachartikel oder andere Übungsmaterialien. Auszubildende könnten auch unwissend verbotene Praktiken ausüben: Ein Auszubildender soll Teamprotokolle zusammenfassen. Um seiner Ausbilderin zusätzlich zu helfen, bittet er die KI, die Teammitglieder nach Zuverlässigkeit und Engagement zu bewerten. Er denkt, damit eine nützliche Übersicht zu erstellen. Solche pauschalen Personenbewertungen können jedoch als verbotenes Social Scoring gelten und zu unfairen Benachteiligungen führen. KI darf Protokolle zusammenfassen, aber keine Menschen bewerten.  

Als Ausbilderin oder Ausbilder kannst du hier anleiten: Lege gemeinsam mit deinen Auszubildenden klare Regeln für den KI-Einsatz fest. Mache deutlich, dass KI zwar Protokolle zusammenfassen, aber keine Personen bewerten oder Punktwerte vergeben darf. Besprecht konkrete Beispiele, damit auch gut gemeinte, aber problematische Anwendungen frühzeitig erkannt werden.

Deine Rolle als Ausbilder:in

Als Ausbilder:in gibst du Orientierung für einen verantwortungsvollen Umgang mit KI. Du zeigst deinen Auszubildenden, wie sie KI sinnvoll und rechtskonform einsetzen können. Zum Beispiel können deine Auszubildenden KI nutzen, um erste Ideen für ein Kundengespräch zu entwickeln. Anschließend bewertet ihr die Ergebnisse gemeinsam: Sind sie fachlich korrekt, vollständig und für den Anwendungsfall geeignet? So stärkst du einen kritischen Umgang mit KI.

Ebenso begleitest du deine Auszubildenden beim datenschutzkonformen Einsatz von KI. Gemeinsam besprecht ihr, welche Informationen beispielsweise zur Vorbereitung eines Kundengesprächs genau eingegeben werden dürfen und welche geschützt bleiben sollten – etwa personenbezogene Daten, vertrauliche Kundeninformationen oder interne Unternehmensdaten.  So vermittelst du Sicherheit im Umgang mit KI und befähigst deine Auszubildenden, die Technologie verantwortungsvoll und rechtskonform einzusetzen.

Sicherheit durch begleitete Praxis

Der praktische Umgang mit KI wird für deine Auszubildende vor allem dann sicherer, wenn sie ihn an konkreten Ausbildungsaufgaben üben und dabei von dir begleitet werden. Wenn du gemeinsam mit deinen Auszubildenden KI-Tools ausprobierst, entsteht ein gemeinsames Verständnis. Ihr erkennt, was gut funktioniert und wo konkrete Risiken liegen. Dieses praktische Lernen schafft Sicherheit und fördert gleichzeitig die KI-Kompetenz im Ausbildungsalltag.  

Beispiel: Das Erstellen eines Bildes, auf dem durch KI erzeugte Personen fotorealistisch abgebildet werden, ist heikel, weil man aktuell nicht weiß, ob es diesen dargestellten Menschen wirklich gibt und falls ja, ob dieser überhaupt zugestimmt hat, dass KI-Dienste sein Bild verwenden (Stiftung Aktive Bürgerschaft, 2025).  Leite deine Auszubildenden dazu an, in dem Prompt datenschutzrechtliche Aspekte zu berücksichtigen, wie „Gesichter unscharf machen“ oder ein Bild im Comicstil anfordern.

Schrittweise Umsetzung in deinem Ausbildungsalltag

Du brauchst nicht alles auf einmal. Starte mit einzelnen Anwendungen und einer konkreten Aufgabe. Sammle dann Erfahrungen und entwickle den Rahmen für die KI-Nutzung schrittweise weiter. Der Austausch mit deinen Auszubildenden ist dabei ein wichtiger Erfolgsfaktor! Die didaktische Methode „KI-Lernfahrplan“ kann dir dabei ganz konkret helfen. So können die Schritte mit KI einfach dokumentiert werden. Gleichzeitig sieht er Reflexionsschleifen vor, um gemeinsam mit deinen Auszubildenden die Frage zu klären, an welchen Stellen Vorsicht geboten ist. So entsteht ein flexibler Umgang mit KI, der sich an neue Entwicklungen oder Aufgaben anpassen lässt.

Ein Beispiel: Deine Auszubildenden sollen mit einem KI-Chatbot Informationen zur Händedesinfektion recherchieren. Zunächst fragen sie vielleicht: „Welche Regeln gelten für die Händedesinfektion?“ Die KI liefert darauf meist eine allgemeine Antwort. In der gemeinsamen Reflexion könntest du anregen, die Frage genauer zu formulieren, zum Beispiel: „Welche fünf Indikationen der Händedesinfektion nennt die WHO?“ Die Antwort wird dadurch deutlich präziser und fachlich relevanter. So lernen die Auszubildenden, dass die Qualität der KI-Ergebnisse stark von der Fragestellung abhängt. Gleichzeitig erfahren sie, wie wichtig es ist, die Antworten kritisch zu prüfen und mit verlässlichen Fachquellen abzugleichen.

Dein Handwerkszeug für den sicheren KI-Einsatz in der Ausbildung

Im Lernpaket „Rahmenbedingungen für die rechtskonforme KI-Nutzung in der Ausbildung “ erfährst du, wie du klare Regeln für den KI-Einsatz in deiner Ausbildung entwickelst, welche rechtlichen Vorgaben dabei eine Rolle spielen und wie du deine Auszubildenden für einen verantwortungsvollen Umgang mit KI sensibilisierst.  Anhand praxisnaher Beispiele und interaktiven Lernangeboten erhältst du Anregungen, wie du KI sicher und sinnvoll in den Ausbildungsalltag integrierst.

Die Inhalte sind von fachlichen Expertinnen und Experten der beruflichen Bildung überprüft worden, dienen der Orientierung und ersetzen keine juristische Beratung im Einzelfall.

Quellen

Amtsblatt der Europäischen Union, 2024, VERORDNUNG (EU) 2024/1689 DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES, https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=OJ:L_202401689  

Bundesnetzagentur, 2025, Hinweispapier KI-Kompetenzen nach Artikel 4 KI-Verordnung, Hinweispapier.pdf 

Stiftung Aktive Bürgerschaft, 2025. Künstliche Intelligenz verwenden: Was ist erlaubt?, https://www.aktive-buergerschaft.de/kuenstliche-intelligenz-verwenden-was-ist-erlaubt 

König, Wolfgang, 2025, KI-Lernfahrplan: Systematisch KI in der Ausbildung nutzen: Netzwerk Q 

Landesamt für Gesundheit und Arbeitsschutz Nordrhein-Westfalen (LfGA NRW), o.J, Was sind aus Sicht des Arbeitsschutzes „besonders schutzbedürftige Beschäftigtengruppen"?  https://www.komnet.nrw.de/_sitetools/dialog/43868  

Dieser Fachbeitrag ist Teil des folgenden Lernpakets

Lerne, wie du die Rahmenbedingungen für die rechtskonforme KI-Nutzung in der Ausbildung gestaltest (keine Rechtsberatung).

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