Motivation ist der Schlüssel für erfolgreiches Lernen in der Ausbildung. Doch sie ist nicht konstant. Der Beitrag zeigt, wie Motivation entsteht, warum sie schwankt und in welchen Situationen Frustration entsteht. Zudem wird deutlich, wie Ausbilder:innen durch gezielte Maßnahmen Motivation nachhaltig fördern können.
Motivation ist ein zentraler und bedeutender Einflussfaktor für Lernen und Leistung. Sie umfasst alle inneren und äußeren Prozesse, die steuern, warum Auszubildende lernen, wie intensiv sie sich anstrengen und wie ausdauernd sie Herausforderungen bewältigen. Gerade in heterogenen Gruppen zeigt sich: Fachliche Leistung hängt nicht allein von kognitiven Fähigkeiten ab, sondern maßgeblich von motivationalen Voraussetzungen (vgl. Frost, 2016, 47-52; Ryan/Deci, 2000, 54ff.). Dabei ist Motivation nicht ausschließlich individuell gegeben, sondern kann durch die Gestaltung von Lernumgebungen gezielt beeinflusst werden.
Zahlreiche Studien belegen den Zusammenhang zwischen Motivation und Lernerfolg. Die Selbstbestimmungstheorie von Deci und Ryan zeigt, dass Menschen besonders dann motiviert und leistungsfähig sind, wenn drei psychologische Grundbedürfnisse erfüllt sind: Autonomie, Kompetenz und soziale Eingebundenheit (vgl. Ryan/Deci, 2000, 54ff.). Dabei ist Motivation ein entscheidender Faktor für Ausbildungszufriedenheit, Durchhaltevermögen und erfolgreiche Abschlüsse.
Für Ausbilder:innen in der Rolle als Lernbegleiter:in bedeutet das: Motivation ist kein „Nice-to-have“, sondern ein zentraler Hebel für Ausbildungsqualität.
Ein häufiger Irrtum ist, dass Motivation allein von der aktuellen Aufgabe abhängt. Motivation ist jedoch kein stabiler Zustand, sondern verändert sich dynamisch durch Erfahrungen, Emotionen und individuelle Erwartungen. In der Ausbildung entstehen Motivation oder Frustration daher in unterschiedlichen Lernsituationen, etwa bei neuen und unbekannten Inhalten, monotonen Routineaufgaben, hohem Prüfungsdruck oder fehlender Sinnhaftigkeit von Aufgaben. Entscheidend ist dabei weniger die Aufgabe selbst als vielmehr die subjektive Bewertung der Situation durch die Auszubildenden.
Ein Beispiel: Eine Auszubildende wirkt bei einer Aufgabe unmotiviert und arbeitet nur zögerlich mit. Dies wird schnell als Desinteresse interpretiert. Tatsächlich liegt die Ursache in einer schlechten Note am Vortag, die das Selbstvertrauen geschwächt hat. Die aktuelle Aufgabe wird dadurch nicht unabhängig, sondern vor dem Hintergrund dieser Erfahrung wahrgenommen.
In der Ausbildung treffen unterschiedliche Lebensrealitäten, Lernvoraussetzungen und Ziele aufeinander. Diese Vielfalt wirkt sich direkt auf die Motivation aus.
Während einige Auszubildende stark durch intrinsische Motivation geprägt sind, also durch inneres Interesse, Freude an der Tätigkeit oder den Wunsch, sich weiterzuentwickeln, werden andere eher durch extrinsische Motivation beeinflusst. Dazu zählen äußere Anreize wie Noten, Anerkennung, Lob oder berufliche Perspektiven (vgl. Ryan/Deci, 2000, 54ff.). Beide Formen treten in der Praxis selten isoliert auf, sondern wirken zusammen und verändern sich im Verlauf der Ausbildung.
Individuelle Förderung ist eine zentrale Voraussetzung, um Lernprozesse in heterogenen Gruppen erfolgreich zu gestalten. Für die Praxis bedeutet das: Einheitliche Motivationsstrategien greifen zu kurz.
Bestimmte Situationen im Ausbildungsalltag bergen ein erhöhtes Risiko für Motivationsverlust:
negative Leistungsrückmeldungen
Unsicherheit durch fehlende Struktur oder unklare Arbeitsaufträge
fehlende Sinnhaftigkeit von Aufgaben
Wiederholte Misserfolgserlebnisse
Über- oder Unterforderung und daraus resultierendes Aufschieben von Aufgaben
Besonders ausgeprägt zeigt sich Motivationsverlust in Prüfungsphasen, in denen Auszubildende unter hoher Anspannung Aufgaben vermeiden oder nur oberflächlich bearbeiten.
Laut Studien zur Ausbildungsabbruchquote spielen Motivations- und Leistungsschwierigkeiten eine zentrale Rolle bei vorzeitigen Vertragslösungen (vgl. Uhly/Neises, 2023, 12f.).
Das zeigt: Frühzeitiges Erkennen und Gegensteuern ist entscheidend.
Du hast einen erheblichen Einfluss auf die Motivation deiner Auszubildenden. Entscheidend ist, motivationsförderliche Rahmenbedingungen zu schaffen, statt Motivation erzwingen zu wollen. Eine wertschätzende Lernumgebung stärkt sowohl die Motivation als auch die langfristige Bindung.
Wirksame Ansatzpunkte sind:
klare Zielsetzungen und transparente Anforderungen
abwechslungsreiche Aufgaben im Sinne des ganzheitlichen Lernens
Förderung positiver Emotionen und der Selbstwirksamkeit durch erreichbare Teilziele und sichtbare Lernfortschritte
Anpassung der Intensität und Menge an Aufgaben zur Entlastung in Prüfungsphasen
die bewusste Gestaltung einer positiven Lernkultur (z. B. durch Lerninseln)
konstruktive Feedbackgespräche, in denen Perspektiven und Entwicklungsmöglichkeiten aufgezeigt werden
Diese Maßnahmen bieten große Chancen: Motivierte Auszubildende zeigen mehr Eigeninitiative, lernen nachhaltiger und entwickeln eine stärkere berufliche Handlungskompetenz.
Es ist wichtig zu verstehen, dass Maßnahmen zur Motivation je nach Situation unterschiedlich wirken können. Was in einer bestimmten Situation funktioniert, kann in einer anderen wirkungslos oder sogar kontraproduktiv sein. Ebenso kann eine Vorgehensweise bei einem Azubi erfolgreich sein, während sie bei einem anderen nicht greift.
Ein „Erfolgsrezept“ im Sinne einer allgemein gültigen Methode gibt es daher nicht. Entscheidend ist vielmehr, dass ein kontinuierliches, aktives und reflektiertes Handeln als Ausbilder:in, das täglich neu angepasst wird. Dafür ist es notwendig, geeignete Strategien zu entwickeln, diese bewusst anzuwenden und regelmäßig zu überprüfen.
Vielfalt in Ausbildungsgruppen erfordert einen differenzierten Umgang: Unterschiedliche Bedürfnisse, Erwartungen und Motivationsmuster machen flexible und reflektierte Ansätze notwendig. Als Ausbilder:in bist du daher nicht nur Wissensvermittelnde:r, sondern vor allem Lernbegleiter:in, der bzw. die Lernprozesse aktiv gestaltet.
Das Lernpaket „Vielfalt als Ressource für motivierte Azubis“ unterstützt dich dabei: Du erhältst einen fundierten Einblick in zentrale Aspekte von Motivation im Ausbildungskontext und lernst, Motivationsprozesse besser zu verstehen sowie typische Hemmnisse gezielt zu erkennen. Darüber hinaus bietet dir das Lernpaket praxisnahe Impulse, Methoden und Beispiele, mit denen du Motivation im Ausbildungsalltag nachhaltig fördern und individuell auf deine Auszubildenden eingehen kannst.
Motivation ist ein entscheidender Schlüssel für die Leistungsentwicklung in der Ausbildung. Wer versteht, wie Motivation entsteht und wodurch sie beeinflusst wird, kann Lernprozesse gezielt unterstützen und die Ausbildungsqualität nachhaltig verbessern.
Gerade in heterogenen Gruppen zeigt sich, dass Motivation individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt sein kann. Entscheidend ist daher nicht ein einheitlicher Ansatz, sondern die Gestaltung passender Rahmenbedingungen, die erfolgreiches Lernen ermöglichen. Damit wird deutlich: Der bewusste Umgang mit Motivation ist ein zentraler Erfolgsfaktor moderner Ausbildung.
Quellen
Frost, Martina C., 2016, Motivation und Motivierung von Mitarbeitern. Institut für angewandte Arbeitswissenschaft (ifaa), Betriebspraxis & Arbeitsforschung 227, 47-52, www.arbeitswissenschaft.net/fileadmin/Downloads/Angebote_und_Produkte
Ryan, Richard M. & Deci, Edward L., 2000, Intrinsic and Extrinsic Motivations: Classic Definitions and New Directions, Contemporary Educational Psychology, Volume 25, Issue 1, 54-67, https://selfdeterminationtheory.org/SDT/documents/2000_RyanDeci_IntExtDefs.pdf
Uhly, Aleaxandra & Neises, Frank, 2023, Vorzeitige Vertragslösungen in der dualen Berufsausbildung. Aktuelle empirische Befunde der Berufsbildungsstatistik und Maßnahmen: Ein Überblick, Berichtsjahr 2022, Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), www.bibb.de/dokumente/pdf/dazubi_informationsbeitrag_vertragsloesungen-befunde-massnahmen-ueberblick.pdf