Fachbeitrag Kommunikation

Mehr crossdisziplinäres Denken in der beruflichen Bildung

Technik, Talent und Teamgeist für die Welt von morgen: Mit den „New Automation Challenges“ bringt der gemeinnützige Verein New Automation e.V. junge Talente aus beruflicher und akademischer Bildung mit Industriepartnern zusammen. Ziel: Innovationen fördern, die Natur und Technik nachhaltig verbinden. Im Interview spricht Thomas Sattelberger, Vorstandsvorsitzender des Vereins, über die Vision dahinter – und warum das Projekt gerade jetzt so wichtig ist.

Herr Sattelberger, was war die ursprüngliche Motivation zur Gründung von New Automation e.V.?

Thomas Sattelberger (TS): Die Gründungsidee kam von führenden Unternehmen der Automatisierungsbranche. Ziel war es, Schülerinnen und Schülern an beruflichen Schulen mit hochwertigem Equipment und persönlicher Begleitung echte Erfolgserlebnisse zu ermöglichen – und sie damit für unsere Branche zu begeistern. Gerade im Bereich Automatisierung treffen viele Disziplinen aufeinander: Maschinenbau, Elektrotechnik, Informatik – und zwar ganzheitlich.

Wie gelingt es, das Thema Nachhaltigkeit glaubhaft mit technischer Innovation zu verknüpfen?

TS: Unsere bisherigen Leuchtturmprojekte zeigen eindrucksvoll, wie das geht. Da war zum Beispiel die miniaturisierte Industrie-4.0-M&M-Abfüllanlage von Auszubildenden bei Volkswagen in Zusammenarbeit mit der Technikerschule der BBS 2 Wolfsburg. Oder das SolarBuggy-Projekt von Studierenden der Hochschule Bochum. Das energieautarke Segelboot des Sailing-Teams der TU Darmstadt ist ein weiteres Beispiel. Die David-Roentgen-Schule in Neuwied gewann mit einem „Digitalen Zwilling“ den Leuchtturm-Wettbewerb 2024.

Alle diese Projekte verdeutlichen, wie technische Innovationen einen Beitrag zur sogenannten All Electric Society leisten können – einer Welt, in der Energie ausschließlich regenerativ erzeugt und intelligent vernetzt wird.

Wer kann teilnehmen – auch ohne große Ausstattung?

TS: Ein zentrales Anliegen der „Professional Challenge“ ist es, auch kleinere Schulen und Ausbildungsstätten zu erreichen. Dank der Unterstützung unserer Mitgliedsunternehmen – sei es durch Equipment, Know-how oder Mentoring – können auch Teams mit weniger Ressourcen teilnehmen und erfolgreich sein.

Im Bild: Schülerteam präsentiert Lösung auf der Hannover Messe im ZVEI-Nachwuchsbereich internationalem Publikum

Was bringt die Zusammenarbeit zwischen Berufsschulen, Hochschulen und Industrie?

TS: Sie schafft echte Begegnung auf Augenhöhe. Junge Menschen erleben, dass sie – unabhängig vom Bildungsweg – Großes leisten können. Firmen stellen ihr Wissen und ihre Technik uneigennützig zur Verfügung. Und die besten Projekte bekommen die Chance, sich auf großen Bühnen wie der Hannover Messe zu präsentieren.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit den Partnerunternehmen konkret ab?

TS: In regelmäßigen Kommunikationsrunden und Workshops werden Ziele abgestimmt, Fortschritte besprochen und gemeinsam weiterentwickelt. Die Projektarbeit lebt vom Austausch – das ist ein echtes Miteinander.

Welche Rolle spielt Mentoring in der Challenge?

TS: Eine sehr zentrale! Erfahrene Mentorinnen und Mentoren begleiten die Teams über die gesamte Projektphase hinweg. Sie fördern fachliche und persönliche Kompetenzen – von Teamarbeit über Problemlösung bis hin zu Präsentation. Das erhöht die Qualität der Ergebnisse und bereitet die Teilnehmenden optimal auf ihre berufliche Zukunft vor.

Im Bild: Verein New Automation zeichnet David-Roentgen-Schule Neuwied als „Leuchtturmprojekt 2024“ aus

Wie können Projekte wie die Challenge junge Menschen auf Herausforderungen wie Klimawandel oder Energiekrisen vorbereiten?

TS: Durch kreative Methoden wie Design Thinking oder unternehmerisches Denken lernen sie, praxisnahe Lösungen für reale Probleme zu entwickeln. Das macht sie nicht nur innovationsfähig, sondern auch resilient in einer sich wandelnden Arbeitswelt.

 

Was wünschen Sie sich für die berufliche Bildung in Deutschland?

TS: Weniger Spezialisierung – mehr Orientierung an Berufsfeldern! Wir haben derzeit über 300 Ausbildungsberufe – das ist schwer zu durchdringen. Ich plädiere für zwei bis drei Dutzend klar strukturierte Berufsfelder. Die Spezialisierung kann dann später erfolgen – in der letzten Phase der Ausbildung, in der beruflichen Fortbildung oder on the job. 

Was nehmen Teilnehmende konkret aus der Challenge mit?

TS: Sie erleben die Erfolgsfaktoren guter Projektarbeit – fachlich wie menschlich. Und sie spüren, dass sie mitgestalten können. Das macht nicht nur stolz, sondern auch attraktiv für Arbeitgeber.

Wie erleben Sie die junge Generation in den bisherigen Wettbewerben?

TS: Mit Begeisterung, Kreativität und Stolz! Jetzt kommt es darauf an, das Konzept weiter zu skalieren, um noch mehr junge Menschen zu erreichen.


Vielen Dank für das Interview.
Das Interview führte Sarah Hornickel.

Über den New Automation e. V.

Im April 2013 auf der Hannover Messe vom ZVEI – Zentralverband der Elektro- und Digitalindustrie sowie sieben weiteren Unternehmen aus dem Bereich der Automatisierungstechnik gegründet, versteht sich der gemeinnützige Verein als Bindeglied zwischen Industrie und Bildungslandschaft. Anliegen der Mitglieder ist, die schulische und akademische Ausbildung im Themenbereich Automatisierungstechnik und IT nachhaltig zu fördern und durch praxisnahe Entwicklungsprojekte zu intensivieren, sowie mit und für Technologien zu begeistern. Inzwischen gibt es rund 60 Bildungspartner des Vereins: Allgemeine und Berufsbildende Schulen, Ausbildungszentren, Hochschulen. Bildungseinrichtungen können sich mit ihren Projekten um materielle und unternehmerische Unterstützung der Industriepartner bewerben – herausragende Entwicklungen werden als „Leuchtturmprojekt“ ausgezeichnet und breit publik gemacht.
 

Geschäftsstelle New Automation e.V.
Krefelder Str. 32, Haus B-West, 70376 Stuttgart

Hubert Romer
Tel.: +49 (0)711 4798-8020 // Mobil: +49(0)173-9862755
E-Mail: geschaeftsstelle@new-automation.de

Jörg Wehrmann
E-Mail: geschaeftsstelle2@new-automation.de

Sitz des Vereins:
Messegelände / P36, 30521 Hannover
Web: new-automation.de

Details und Ablauf der beiden „New Automation Challenges“ sind auf der Website des Vereins zu finden:
new-automation.de/challenge/starter bzw.
new-automation.de/challenge/professional

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