Fachbeitrag Kommunikation

Klartext in der Ausbildung mit dem Vier-Seiten-Modell

Ein scheinbar harmloser Satz kann schnell zu Missverständnissen führen – besonders im Ausbildungsalltag. Warum kommt eine Botschaft oft anders an als gemeint? Das Vier-Seiten-Modell zeigt, wie Kommunikation wirklich funktioniert und hilft dabei, Gespräche klarer, wertschätzender und effektiver zu gestalten.

Kommunikation in der Ausbildung – warum sie oft schwieriger ist, als gedacht

Stellen wir uns folgende Situation vor: Du hast vor einiger Zeit eine Aufgabe an deinen Azubi vergeben und möchtest dich nun nach dem aktuellen Stand erkundigen. Du fragst: „Bist du mit der Aufgabe bereits fertig?“ Für dich ist das in diesem Moment eine einfache Sachfrage. Beim Auszubildenden kann dieselbe Frage jedoch ganz anders ankommen – etwa als „Ich arbeite zu langsam“ oder „Ich habe die Erwartungen nicht erfüllt.“  

Plötzlich geht es im Gespräch nicht mehr um die Aufgabe, sondern um Gefühle, wie Verunsicherung oder Ärger. Solche Situationen deuten darauf hin, dass beide Gesprächspartner auf unterschiedlichen Kommunikationsebenen eine Nachricht gesendet und empfangen haben. 

Kommunikation als Schlüsselkompetenz in der Ausbildung

Was jemand beispielsweise sachlich sagt („Du bist heute spät dran“), kann auf der Beziehungsebene ganz anders ankommen („Sie hält mich für unzuverlässig“).  

Gerade deshalb ist klare Kommunikation in der Ausbildung eine entscheidende Schlüsselkompetenz. Wer lernt, Botschaften bewusst zu senden und zu empfangen, vermeidet Missverständnisse, stärkt Beziehungen und schafft ein Arbeitsumfeld, in dem gute Zusammenarbeit wirklich möglich ist. 

Das Vier-Seiten-Modell im Überblick

Genau an dieser Stelle setzt das Vier-Seiten-Modell, auch bekannt als ,,Vier-Ohren-Modell“ oder ,,Kommunikationsquadrat“ von Schulz von Thun an. Es zeigt, wie Missverständnisse entstehen und wie man gezielt für mehr Klarheit sorgen kann. Mit dem Wissen um die „vier Seiten einer Nachricht“ gelingt es, Gespräche bewusster zu lenken, Konfliktpotenziale frühzeitig zu erkennen und Feedback wirksam zu gestalten – ob im alltäglichen Austausch oder im beruflichen Kontext.

Schnäbel? Ohren? Sender? Empfänger? Die Botschaften im Vier-Seiten Modell

Jede Äußerung, die ein Mensch im Gespräch von sich gibt, wirkt laut Schulz von Thun auf vierfache Weise. Eine Nachricht enthält also, ob man möchte oder nicht, immer vier Botschaften gleichzeitig. 

  • eine Sachinformation (worüber ich informiere) – blau, 

  • eine Selbstoffenbarung (was ich von mir bewusst oder unbewusst zu erkennen gebe) – grün

  • einen Beziehungshinweis (wie ich zu dir stehe) – gelb 

  • und einen Appell (was ich bei dir erreichen möchte) – rot. 

Die Nachricht entstammt dabei den „vier Schnäbeln” des Senders und trifft auf die „vier Ohren” des Empfängers. Dabei sind sowohl Sender als auch Empfänger für eine gelingende Kommunikation verantwortlich.

Die Sachebene

Die Sachebene beschäftigt sich mit den reinen Fakten einer Aussage. Hier geht es darum, Informationen klar und verständlich zu übermitteln. Dabei können diese drei Fragen helfen, die Information einzuschätzen: 

  • Ist sie korrekt und entspricht der Realität? 

  • Ist sie relevant und trägt zum aktuellen Thema bei? 

  • Ist sie vollständig oder fehlen wichtige Details? 

Damit der Sender entsprechend dieser drei Kriterien reagieren kann, ist es wichtig, dass dieser auf der Sachebene darauf achtet, dass die Informationen klar und verständlich formuliert sind.

Die Selbstoffenbarungsebene

Jede Äußerung verrät auch etwas über die Person, die spricht – bewusst oder unbewusst. Das können Gefühle, Einstellungen, Werte oder persönliche Bedürfnisse sein. Manchmal wird dies direkt durch eine Ich-Botschaft ausgedrückt, manchmal indirekt. Der Empfänger nimmt dies über das Selbstoffenbarungs-Ohr wahr und erkennt zum Beispiel: „Wie fühlt sich die Person gerade? Was ist ihr wichtig?“

Die Beziehungsebene

Auf der Beziehungsebene zeigt der Sender implizit oder explizit, wie er zum Gegenüber steht und wie er die Person einschätzt. Dies wird häufig nonverbal vermittelt, etwa durch Tonfall, Mimik, Gestik oder die Wortwahl. Der Empfänger hört die Nachricht mit dem Beziehungs-Ohr und fühlt sich möglicherweise respektiert, ernst genommen oder abgewertet.

Die Apellebene

Die direkte Einflussnahme auf den Empfänger geschieht dahingegen auf der Appellebene. Jede Äußerung des Senders enthält dabei eine offene oder verdeckte Absicht. Das kann eine Aufforderung, ein Hinweis, ein Ratschlag oder ein Wunsch sein. Der Empfänger hört mit dem Appell-Ohr zu und überlegt: „Was soll ich jetzt (nicht) tun, denken oder fühlen?“

Einsatz des Vier-Seiten-Modells

In der nachfolgenden Tabelle ist dargestellt, wie unterschiedlich eine einzige Nachricht auf den vier Ebenen gesendet und gedeutet werden kann.

Praxisbeispiel 1: ,,Du bist heute schon wieder zu spät dran.“ 

Es kommt zu einem Gespräch zwischen einem Ausbilder und seiner Auszubildenden. Der Ausbilder sagt: ,,Du bist heute schon wieder zu spät dran.“ 

Ebene 

Was der Sender sagt 

Was der Empfänger versteht 

Beispiel  

 

Sachinhalt 

Informationen 

Worüber gesprochen wird 

Die Auszubildende ist erneut zu spät gekommen.  

Selbstoffen-barung 

Gefühle, Bedürfnisse, Absichten 

Was mir jemand offenbart  

Der Ausbilder könnte damit unbewusst preisgeben, dass er frustriert oder gestresst ist. 

Beziehungs-ebene 

Verhältnis zueinander 

Wie jemand zu mir steht 

Der Ausbilder kommuniziert möglicherweise, dass er die Auszubildende als unzuverlässig und unorganisiert ansieht.  

Appell 

Wunsch, Ratschlag, Aufforderung  

Was jemand von mir will 

Der implizite Appell könnte sein, dass die Auszubildende pünktlich zu den vereinbarten Zeiten erscheinen soll. 

 

Quelle: In Anlehnung an: Lemeeta-Übersetzungen (2022): Das 4-Ohren-Modell der Kommunikation nach Schulz von Thun.

Wie könnte die Reaktion der Auszubildenden auf die Aussage des Ausbilders ausfallen, wenn sie gezielt mit den vier Ohren hört? 

Auf der Sachebene kann sie die Richtigkeit der Information in der Nachricht bestätigen: „Ja, Sie haben Recht, ich bin heute wieder zu spät gekommen.“ Im Rahmen der Selbstoffenbarung könnte sie empathisch reagieren und Verständnis zeigen: „Es tut mir leid, ich kann nachvollziehen, dass das ärgerlich für Sie ist.“ Auf der Beziehungsebene lässt sich die Zusammenarbeit klären: „Ich hoffe, Sie sehen mich trotzdem als eine engagierte Person.“ Und auf den Appell kann sie konstruktiv eingehen: „Ich werde darauf achten, ab sofort pünktlich zu den abgesprochenen Zeiten da zu sein.“ Durch diese differenzierte Antwort nimmt die Auszubildende alle Ebenen bewusst wahr und reduziert so Missverständnisse oder unnötige Spannung. 

Praxisbeispiel 1: Impuls zur Verbesserung

Doch nicht nur die Reaktion, auch die Formulierung der ursprünglichen Nachricht ,,Du bist heute schon wieder zu spät dran“ kann gezielt Missverständnisse verhindern:  

„Mir ist aufgefallen, dass du heute um 8:20 Uhr gekommen bist, obwohl wir um 8:00 Uhr starten (Sachinhalt). Mir ist Pünktlichkeit wichtig, damit wir gut planen können (Selbstoffenbarung). Ich weiß, dass du dich bemühst, deine Aufgaben gut zu machen (Beziehungsebene). Also versuche bitte künftig rechtzeitig da zu sein oder Bescheid zu sagen, falls es nicht klappt (Appell).“ 

Diese transparente Struktur schafft Klarheit, Wertschätzung und Verbindlichkeit. 

Praxisbeispiel 2: ,,Ich komme mit Ihrer Anleitung nicht ganz zurecht.“

Ein Auszubildender gibt Feedback zu einer zuvor gestellten Aufgabe, indem er sagt: „Ich komme mit Ihrer Anleitung nicht ganz zurecht.“ 

Der/ die Ausbilder:in kann die Aussage wie folgt verstehen:  

Sachinhalt: Die Anleitung war nicht klar; Klärungsbedarf besteht. 

Selbstoffenbarung: Der Azubi bemüht sich, ist unsicher, möchte es richtig machen. 

Beziehungsebene: „Ich vertraue darauf, dass ich Fragen stellen darf“, oder - je nach Tonfall - „Ihre Erklärung war unverständlich.“ 

Appell: Bitte um erneute Erklärung oder zusätzliche Unterstützung. 

Praxisbeispiel 2: Impuls zur Verbesserung

Damit der/ die Ausbilder:in nicht erst rätseln muss, was genau die Botschaft ist, könnte der Azubi dieselbe Nachricht konstruktiv nach dem Vier-Seiten-Modell formulieren: 

„Ich habe gemerkt, dass ich die Schritte noch nicht ganz verstanden habe (Sachinhalt). Mir ist wichtig, die Aufgabe richtig auszuführen und mich sicher zu fühlen (Selbstoffenbarung). Ich weiß Ihre Unterstützung sehr zu schätzen (Beziehung). Könnten wir die Anleitung noch einmal gemeinsam durchgehen oder ein praktisches Beispiel anschauen (Appell)?“ 

Der/ die Ausbilder:in kann nun sehr gezielt auf alle Ebenen eingehen: 

„Danke, dass du offen sagst, dass etwas unklar war (Beziehung). Es ist wichtig, dass du die Arbeitsschritte vollständig verstehst (Sachinhalt). Mir liegt viel daran, dass du Sicherheit im Ablauf gewinnst und selbstständig arbeiten kannst (Selbstoffenbarung). Lass uns die Schritte jetzt gemeinsam noch einmal durchgehen und klären, wo genau die Schwierigkeit lag (Appell).“ 

Was das Vier-Seiten-Modell für Ausbilder:innen in der Praxis bedeutet

Das Vier-Seiten-Modell der Kommunikation … 

  • … macht versteckte Botschaften sichtbar und erleichtert so die Klärung von Konflikten. 

  • … unterstützt dabei, Sachinhalt und Beziehungsebene bewusst voneinander zu trennen, sodass Missverständnisse seltener auftreten. 

  • … fördert eine klare Selbstoffenbarung, wodurch Rückmeldungen authentischer und nachvollziehbarer wirken. 

  • … erleichtert präzise Appelle, sodass Lernziele verständlicher und eindeutiger vermittelt werden. 

  • … sorgt insgesamt für strukturiertere und entspanntere Gesprächsabläufe. 

Das wichtigste an Kommunikation ist, zu hören, was nicht gesagt wird. – Peter Drucker, US-amerikanischer Ökonom 

Tipps für die Anwendung des Vier-Seiten-Modells

Im Ausbildungsalltag ist es oft eine Herausforderung, in jedem Gespräch so differenziert zu kommunizieren, wie es das Vier-Seiten-Modell vorschlägt.

Häufig neigen wir dazu, möglichst schnell eine Antwort parat zu haben. Doch gerade, wenn die Absicht oder die Bedeutung hinter einer Nachricht unklar ist, kann es hilfreich sein, kurz innezuhalten und bewusst nachzufragen: „Könntest du das bitte noch einmal wiederholen?“ oder „Was genau meinst du damit?“. So vermeidest du, vorschnell auf der Beziehungsebene zu reagieren oder die Nachricht nur auf der Sachebene zu verstehen. Es ist also vollkommen in Ordnung, sich Zeit zu nehmen, nachzufragen und sicherzustellen, dass die Kommunikation in die richtige Richtung geht, besonders wenn du merkst, dass du nicht alle vier Ebenen klar unterscheiden kannst. 

Die Chancen des Vier-Seiten-Modells in Feedbacksituationen

Besonders in Feedbacksituationen bietet das Vier-Seiten-Modell einen großen Mehrwert. Strukturiere dein Gespräch immer entlang der vier Ebenen: 
Beginne mit dem Sachinhalt („Mir ist aufgefallen, dass …“) und ergänze eine Selbstoffenbarung, indem du erklärst, was dir persönlich wichtig ist. Eine Botschaft auf der Beziehungsebene sollte wertschätzend formuliert sein, etwa: „Danke, dass du das offen ansprichst …“ oder „Ich sehe dein Engagement.“ Formuliere den Appell abschließend klar und konkret, damit deutlich wird, was du dir wünschst, erwartest oder erhoffst. 

Achte außerdem darauf, auch die Rückmeldungen deines Gegenübers aufmerksam mit allen „vier Ohren“ wahrzunehmen, um gezielt auf die jeweiligen Botschaften eingehen zu können. 

Klare Kommunikation schafft Klarheit im Lernen

Das Vier-Seiten-Modell ist kein theoretisches Konstrukt, sondern ein praxisnahes Werkzeug für den Ausbildungsalltag. Wer versteht, dass jede Aussage mehrschichtig ist, kann Gespräche bewusster führen, Konflikte entschärfen und Lernprozesse gezielter begleiten. 

Diese drei abschließenden Tipps helfen dir bei der Anwendung des Modells: 

  1. Nimm im Alltag bewusst wahr, auf welcher Ebene Botschaften gesendet bzw. gehört werden und achte dabei auf Missverständnisse. 

  2. Wende die vier Seiten einer Nachricht in deinen Rückmeldungen und deinem Feedback gezielt an. 

  3. Nutze regelmäßige kurze Reflexionsmomente, um deine Kommunikation Schritt für Schritt zu verbessern.  

Der Text wurde mit KI optimiert. 

 

Quellen:  

Allensbach Hochschule (2025): Vier-Seiten-Modell von Friedemann Schulz von Thun: Botschaften besser verstehen. Abgerufen am 17.11.2025, von www.allensbach-hochschule.de/vier-seiten-modell-von-friedemann-schulz-von-thun-botschaften-besser-verstehen/ 

Windolph, Andrea (2014): Das 4-Ohren-Modell / Kommunikationsquadrat / Vier Seiten einer Nachricht einfach erklärt. Angerufen am 17.11.2025, von https://projekte-leicht-gemacht.de/blog/softskills/kommunikation/4-seiten-modell/  

Lemeeta-Übersetzungen (2022): Das 4-Ohren-Modell der Kommunikation nach Schulz von Thun. Abgerufen am 13.11.2025, von www.leemeta-uebersetzungen.de/blog/im-mittelpunkt/das-4-ohren-modell-der-kommunikation-nach-schulz-von-thun 

Schulz von Thun Institut für Kommunikation (o. J.): das Kommunikationsquadrat. Abgerufen am 14.11.2025, von www.schulz-von-thun.de/die-modelle/das-kommunikationsquadrat 

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