So vermittelst du KI-Kompetenzen in Bezug auf Regeln des EU AI Acts

Eine Gruppe von vier Personen sitzt an einem Besprechungstisch. Ein Mann mit Bart schaut zur Kamera. Neben ihm sitzt eine Frau mit Brille. Im Hintergrund sind ein Laptop und ein Bildschirm mit grafischen Inhalten sichtbar. Alle wirken konzentriert und in ein Gespräch vertieft.

Seit Februar 2025 gelten erste Teilbereiche des EU AI Acts (KI-Verordnung), undmit damit erstmals klaren Regeln für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Europäischen Union. Er ist auch das weltweit erste Regelwerk zum Thema KI. Das klingt zunächst nach Pflicht, Kontrolle und Einschränkung. Tatsächlich eröffnet die Verordnung aber vor allem auch individuellen Gestaltungsspielraum für deine Ausbildungspraxis.

Welche Regeln gelten?

Der EU AI Act behandelt KI-Anwendungen unterschiedlich. Grundgedanke ist, dass nicht jede Verwendung von KI gleich riskant ist. Das bedeutet, dass es bei geringem Risiko auch nur wenig Regeln gibt. Je höher das Risiko, desto mehr Regeln kommen ins Spiel. Der EU AI Act unterscheidet vier Risikoklassen: unannehmbares Risiko, hohes Risiko, begrenztes Risiko und minimales Risiko. Je höher das Risiko, desto strenger die Anforderungen. Viele Auszubildende verwenden vor allem KI zur Texterstellung, dieser Anwendungsfall fällt in der Regel in die untere Risikoklasse. Lassen sich Auszubildende beispielsweise einen Fachartikel zusammenfassen, dann fällt dies unter geringes Risiko.

Beachte folgendes: Sensibilisiere deine Azubis dafür, dass es eine Kennzeichnungspflicht für KI-generierte Inhalte ab August 2026 gibt, um kostenpflichtige Verstöße zu vermeiden.  Wenn deine Auszubildenen für eine Ausbildungsmarketingkampagne KI-generierte Bilder erstellen, dann sind diese kennzeichnungspflichtig. In der Regel genügt einfach der Hinweis: „Dises Bild wurde mit KI erstellt“. 

Reflektierte Nutzung im Mittelpunkt

Ein Hauptgedanke des EU AI Acts ist es, dass Menschen KI reflektiert nutzen. Viele Auszubildende nutzen KI aber gegenwärtig unreflektiert zur Erstellung von Texten, für Recherche oder als Lernunterstützung. Doch eine Nutzung ohne Einweisung birgt Risiken. In deiner Rolle als Ausbilder:in gestaltest du aktiv den Rahmen, in dem KI-Tools verwendet und genutzt werden dürfen und wo die Grenzen verlaufen. Du begleitest sie dabei, verantwortungsvoll mit KI umzugehen und welche Regeln zu beachten sind.

Wer die Regeln kennt, gilt als KI-Kompetent

In der Wissenschaft gibt es keine allgemeingültige KI-Kompetenzdefinition. Der EU AI Act setzt deshalb mit Blick auf mögliche Bußgelder auf die Regelkenntnis bei Gefahren bei der KI-Verwendung. Wer beispielsweise Bilder oder Texte mit KI erstellt, die andere gezielt manipulieren, ist in den höchsten Risikobereichen tätig oder führt eine „verbotene Praktik“ aus. Beispiel: Auszubildende erstellen mit KI eine Fake-E-Mail in dem angeblich der Chef eine Kündigung gegenüber einem anderen Auszubildenden ausspricht. Ein Scherz mit Folgen!  Aber sind sich diesen Problematiken deine Auszubildenden wirklich bewusst? Damit deine Auszubildenden KI konform verwenden, gilt gegenwärtig eine Schulungspflicht zur so genannten KI-Kompetenz. Der Artikel 4 im EU AI ACT fordert die Schulung zur verwendungszweckbezogenen sachkundigen Verwendung „… sich der Chancen und Risiken von KI und möglicher Schäden, die sie verursachen kann, bewusst zu werden“. (Amtsblatt der Europäischen Union, 2024).  

Wichtig für deinen Ausbildungsalltag ist die Beantwortung dieser Fragen:

  • Was sollen meine Auszubildenden mit KI genau tun? 
  • Welches KI-Tool ist hierfür geeignet und wird den Auszubildenden „freigegeben“? 
  • Wissen meinen Auszubildenden wie man mit dem ausgewählten KI-Tool arbeitet? 
  • Welches Risiko und welcher Schaden könnte beim jeweiligen Anwendungsfall entstehen? 

Primärfokus ist Schadensvermeidung

Natürlich ist es gerade mit Blick auf IT-Hintergründe und Chancen von KI wünschenswert, wenn deine Auszubildenden ganz viel über KI und deren Verwendungsmöglichkeiten wissen. Was neuronale Netzwerke sind, kann man wissen, es ist aber aus Sicht des EU AI Acts für die vorgeschriebenen KI-Kompetenz der breiten Masse irrelevant. Ganz anders kann das bei einem Begriff wie „Modelltraining“ sein. Dieser bedeutet, dass das Modell von deinen Eingaben lernt. Ist dies aktiviert, dann „schenken“ deine Auszubildenen dem KI-Anbieter wie OpenAI einfach komplett alles, was sie eingeben oder hochladen. Hier lauert ein offensichtliches Schadensrisiko, dem sich viele gar nicht bewusst sind.  

Ein Beispiel: Auszubildende fotografieren einen Aufsatz zu den „Fünf Momenten der Handygiene“, laden diesen in ein KI-Tool und lassen sich diesen dann zusammenfassen. Wenn das Modelltraining aktiviert ist, dann darf der KI-Systemanbieter diesen Text weiterverwenden und in sein Modell speisen. Das Problem dabei: Der Urheber des Lehrbuchtextes muss dieser Verwendung zustimmen. "Für die Verwendung eines Lehrbuchtextes ist grundsätzlich die Einwilligung des Urhebers notwendig. Ohne eine entsprechende Zustimmung besteht das Risiko urheberrechtlicher Ansprüche, einschließlich möglicher Schadensersatzforderungen." 

Was die Aufsichtsbehörde empfiehlt

Die in Deutschland zuständige Aufsichtsbehörde (Bundesnetzagentur) betont, dass durch die Vermittlung von KI-Kompetenz besonders die Haftungsrisiken minimiert werden sollten:

  • „Ein Mangel an KI-Kompetenz kann als Verletzung der Sorgfaltspflicht angesehen werden, insbesondere wenn dadurch ein Schaden entsteht.
  • Daher empfiehlt die Bundesnetzagentur, dass Organisationen ihre Maßnahmen zur Sicherstellung von KI-Kompetenz gut dokumentieren. So können sie jederzeit nachweisen, dass sie die Anforderungen des Artikel 4 erfüllen.“ (Bundesnetzagentur, 2025). Das ist für dich als Ausbilder:in sehr wichtig: Wenn du deine Auszubildenden Aufgaben mit KI erledigen lässt, trägst du die Verantwortung, dass sie dies sicher bewerkstelligen können. 

Es ist wie im Straßenverkehr: Deine Rolle als KI-Fahrlehrer:in

Viele Auszubildende nutzen KI längst im Alltag. Die Praxis ist da, doch häufig fehlt die vorgeschriebene KI-Kompetenz-Schulung. Es ist wie beim Straßenverkehr. Bevor die erste praktische Fahrstunde beginnt, erfolgt eine genauere Einweisung damit Unfälle mit dem Fahrschulauto vermieden werden. Und gerade in den ersten Fahrstunden wird die Person neben dir wiederholt eingreifen. Bei KI wirst du sprichwörtlich zum „KI-Fahrlehrer“ oder „KI-Fahrlehrerin“. Damit du diese Rolle erfolgreich übernehmen kannst, ist es wichtig, dass du natürlich selbst die Spielregeln kennst und dann entscheidest, welche KI-Praktiken du erlaubst und welche Kenntnisse du deinen Auszubildenden vermittelst.

Was kannst du tun?

Der EU AI Act verlangt keine Schulung von der Stange. Entscheidend ist, was deine Auszubildenden konkret mit KI tun und wo dabei Risiken liegen. Diese Form der KI-Kompetenz wird an den Bedarfen des Ausbildungsbetriebs ausgerichtet und den aktuell verwendeten KI-Tools. Überlege regelmäßig, wofür deine Auszubildenden KI nutzen sollen, welche Tools sinnvoll sind und wo besondere Sorgfalt erforderlich ist. So schaffst du klare Leitplanken und zugleich Freiräume für eine verantwortungsvolle KI-Nutzung in deiner Ausbildungspraxis.  

Und die gute Nachricht ist: Du und deine Auszubildenden können KI völlig kreativ und bedürfnisorientiert in verwenden, wenn sich alle an die Regeln halten. Der Grundsatz ist ganz einfach. Lass deine Auszubildenden bei der KI-Nutzung im Betrieb nicht allein, sondern begleite sie. Dann geht ihr gemeinsam auf die KI-Entdeckungsreise. Der KI-Lernfahrplan zeigt dir beispielswiese unter didaktischer Perspektive, wie das gelingen kann.

Aspekte und Ansatzpunkte für deine Ausbildungspraxis

Damit du den EU AI Act nicht nur nachvollziehen, sondern souverän in deinem Ausbildungsalltag anwenden kannst, vertiefen wir die zentralen Handlungsfelder: Was bedeutet „KI-Kompetenz“ im Sinne der Verordnung konkret und welche Anforderungen ergeben sich daraus für deine Ausbildungspraxis? Welche Rolle spielt Transparenz – etwa im Umgang mit Auszubildenden und beim Einsatz von KI-Systemen? Wie lassen sich Schulungsformate so konzipieren, dass sie zu deinem Unternehmen passen? Und wie setzt du die Vorgaben effizient um, ohne unnötige Bürokratie zu erzeugen? 

Quellen:

Amtsblatt der Europäischen Union, 2024, VERORDNUNG (EU) 2024/1689 DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES, https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=OJ:L_202401689 

Bundesnetzagentur, 2025, Hinweispapier KI-Kompetenzen nach Artikel 4 KI-Verordnung, Hinweispapier.pdf 

Dieser Fachbeitrag ist Teil des folgenden Lernpakets

Lerne, was der EU AI Act ist und wie du relevante Anforderungen in deiner Ausbildungspraxis sicher und reflektiert umsetzt.

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