Fachbeitrag Inklusion

Echte Talente finden – Einstieg in die inklusive Ausbildung

Ein junger Mann im Rollstuhl sitzt an einem Schreibtisch und arbeitet an einem Laptop. Er trägt einen gemusterten Pullover und schaut konzentriert auf den Bildschirm. Im Hintergrund sind Pflanzen und Büromöbel zu sehen.

„Wie soll ich jemandem im Rollstuhl in meinem Betrieb erfolgreich ausbilden? Und was ist mit den Mehrkosten?“. Solche Gedanken haben viele Ausbilderinnen und Ausbilder beim Thema Inklusion in der Ausbildung. Die gute Nachricht: So vielfältig wie Menschen mit Schwerbehinderung sind, sind auch die finanziellen und organisatorischen Orientierungs- und Unterstützungsangebote für deinen Betrieb.

Welche Herausforderungen gibt es wirklich?

Eine erfolgreiche inklusive Ausbildung birgt einige Herausforderungen, an die man im Vorfeld denken muss: Funktioniert diese fachlich überhaupt, was ist der Mehraufwand, wie sind die Zusatzkosten verteilt, was wird kompensiert, wie bereite ich die Ausbilderinnen und Ausbilder und das Kollegium vor, was bedeutet Barrierefreiheit und viele weitere Fragen. Die gute Nachricht: Du erhältst umfassende Hilfestellungen zur Gewinnung, zur Vorbereitung des Betriebes auf die spezifischen Anforderungen und die Begleitung von Menschen mit Schwerbehinderung vor während und nach der Ausbildung. Individuelle Einzelfallberatung kann dir dazu Fördermöglichkeiten aufzeigen, denn so vielschichtig wie sich Behinderungen auswirken, so differenziert sind auch die Hilfen.

An wen kann ich mich wenden?

  • Einheitliche Ansprechstellen für Arbeitgeber (EAA) informieren, beraten und unterstützen Arbeitgeber rund um die Beschäftigung von Menschen mit Schwerbehinderung und erklären die vielfältigen Informationen, Leistungen und Fördermöglichkeiten. Sie agieren als Lotsen im großen Angebot von Information, Leistungen und Fördermöglichkeiten.
  • Integrations- und Inklusionsämter (InA) arbeiten auf Landesebene. Ihre Hauptaufgabe ist, Menschen mit Schwerbehinderung in das Arbeitsleben einzugliedern. Ihre Zielgruppe sind gleichermaßen Menschen mit Behinderung und ihre Arbeitgeber:innen.
  • Inklusions- und Integrationsfachdienste (IFD) beraten arbeitssuchende und beschäftigte Menschen mit Schwerbehinderung und deren Arbeitgeber:innen individuell. Ziel der Beratung ist die langfristige Beschäftigung und nachhaltige Sicherung des Arbeitsverhältnisses für Menschen mit Schwerbehinderung. 
  • Technische Beratungsdienste (TBD) beraten und unterstützen Betriebe im Auftrag der Agentur für Arbeit oder der Integrations-/Inklusionsämter bei der Neu- oder Umgestaltung behinderungsgerechter Arbeitsplätze. 

Die für dein Unternehmen zuständigen Kontakte zu den oben genannten Ansprechstellen findest du unter Eingabe der Postleitzahl auf der Homepage der BIH - die Bundesarbeitsgemeinschaft der Inklusionsämter und Hilfen der Sozialen Entschädigung e. V. (BIH) setzt sich für die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderung an einem inklusiven Arbeitsmarkt ein. 

  • Bundesagentur für Arbeit (BA) ist die Trägerin der Arbeitsförderung und damit zuständig für Berufsberatung und Ausbildungsvermittlung von Menschen mit Schwerbehinderung. Finanzielle Leistungen der Agenturen für Arbeit unterstützen die Förderung der beruflichen Teilhabe, zum Beispiel durch die Assistierte Ausbildung oder Berufliche Rehabilitation.  Kontakt zum Arbeitgeberservice erhältst du telefonisch kostenlos über 0800 4 555520.
  • Inklusionsberatung der Kammern von den für dein Unternehmen zuständigen regionalen Industrie- und Handelskammern sowie die Handwerkskammern. Sie bieten ebenfalls eine auf Inklusion spezialisierte Beratung für Azubis und Ausbildungsbetriebe in ihrer jeweiligen Branche an. 
  • Rehabilitationsträger - unter dieser Bezeichnung fasst man alle zuständigen öffentlichen Körperschaften zusammen, die Maßnahmen und Leistungen zur Rehabilitation und Teilhabe umsetzen. Das sind beispielsweise gesetzliche Renten-, Unfall- und Krankenversicherungen, Träger der Eingliederungshilfe, Jugendhilfe und Träger der Sozialen Entschädigung.

Förderung der inklusiven Ausbildung

Sowohl der Ausbildungsbetrieb, als auch die Azubis mit Schwerbehinderung können je nach Anspruchsvoraussetzung und je nach Rehabilitationsträger unterschiedlichste finanzielle Zuschüsse und Hilfen zur Teilhabe am Arbeitsleben beantragen. Förderungen sind in der ausbildungsvorbereitenden Phase, während der Ausbildungszeit und auch nach der Ausbildung möglich. Einen Überblick gibt es hier: REHADAT talentplus: Förderung bei Ausbildung. Bei allen Fragen zu Förderleistungen und Antragstellung, kannst du dich an die oben genannten Stellen wenden, beispielsweise an die EAA. Nachfolgend findest du wichtige Beispiele:

  • Zuschuss zur Ausbildungsvergütung: Umfasst bis zu 80 Prozent des Gehalts für Azubis mit Schwerbehinderung für die gesamte Ausbildungsdauer. Den Antrag stellst du über den Arbeitgeberservice der BA  vor dem Vertragsabschluss.
  • Finanzielle Förderung zur Schaffung neuer Ausbildungsplätze: Über das InA kannst du einzelfallabhängige Zuschüsse zu den Investitionskosten, zum Beispiel spezielle Arbeitsplatz- oder Büroausstattung, beantragen. 
  • Eingliederungszuschuss: Diesen kannst du nach der Übernahme von Azubis mit Schwerbehinderung bei der BA beantragen. Dieser Zuschuss zum Arbeitsentgelt beträgt bis zu 70 Prozent und kann bis zu 24 Monaten gezahlt werden. 
  • Ausbildungsunabhängige Fördermaßnahmen: Nach der Ausbildung kannst du natürlich die regulären Maßnahmen für Arbeitnehmer:innen mit Schwerbehinderung in Anspruch nehmen.

Begreife Inklusive Ausbildung als Chance

Wenn du deinen Ausbildungsbetrieb für Inklusion öffnest, kannst Du in Zeiten des Fachkräftemangels bislang nicht ausgeschöpftes Potential erreichen. Menschen mit Schwerbehinderung können ein Teil der Lösung sein und dein Unternehmen voranbringen. Die Fördermöglichkeiten hierzu sind vielfältig und die Hindernisse überwindbar. Mit der richtigen Beratung und einer offenen Haltung steht dir als Ausbilderin oder Ausbilder beim Thema Inklusion nichts mehr im Weg. Nimm Kontakt mit zum Beispiel den EAA auf und informiere dich, welche Möglichkeiten zur sich für deinen Betrieb eignen, um erfolgreich inklusiv auszubilden und so deinem Unternehmen Chancen für die Zukunft zu eröffnen.

Weiterführende Links:

Quellen: 

Dieser Fachbeitrag ist Teil des folgenden Lernpakets

Wir möchten mit dir gemeinsam Inklusion und Ausbildung zusammenführen und in deiner Ausbildungspraxis ermöglichen – als Booster für dein Unternehmen.

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