Bildungswerk der Sächsischen Wirtschaft
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Wie gelingt es heutzutage, junge Menschen für eine Ausbildung zu begeistern? Eine Frage, die alle Ausbilder:innen betrifft. Die Lösung des Chemieunternehmens Merck aus Darmstadt setzt auf ganzheitliche Konzepte, aktives Ausbildungsmarketing und eine attraktive Raumgestaltung. Wir waren vor Ort und schildern euch in diesem Beitrag unsere Eindrücke.
Im Bereich Recruiting setzt das Darmstädter Chemieunternehmen Merck auf erlebnisorientierte Formate. Neben der „Langen Nacht der Ausbildung“ spielen die Erlebnistage eine zentrale Rolle. Hier können sich junge Menschen gezielt für Zeitslots anmelden und ausgewählte Ausbildungsbereiche praxisnah kennenlernen. Im Unterschied zu klassischen Informationsveranstaltungen steht dabei das eigene Ausprobieren im Vordergrund: In Laboren und Werkstätten des Learning Centers führen die Teilnehmenden unter Anleitung kleine praktische Aufgaben durch, etwa die Herstellung kleinen Drops analog einer Tablettenproduktion.
So erhalten sie einen realistischen Eindruck von den Tätigkeiten und Anforderungen der jeweiligen Berufe. Und sie waren schon mal direkt vor Ort, wo die Ausbildung auch stattfinden würde. Und dieses eigene Erleben bleibt jungen Menschen besonders nachhaltig im Gedächtnis.
Ausbildungsmarketing ist für das Netzwerk Q eine Herzenzangelegenheit. Deshalb begab sich am 12.03. eine Delegation aus Köln auf den Weg nach Darmstadt, um zu sehen, wie Merck die Ausbildung im Learning Center für junge Menschen attraktiv gestaltet. Der Besuch fühlte sich dabei fast wie ein eigener Schnuppertag an: Statt nur zuzuhören, konnten wir Einblicke gewinnen, Fragen stellen und die verschiedenen Bereiche hautnah erleben – ganz ähnlich wie die Jugendlichen, die Merck mit seinen Formaten anspricht.
Zu Beginn des Besuchs gab Dirk Werner in einem Vortrag einen Einblick in eine aktuelle Studie zum Thema „Ausbildungsmarketing“, die das IW gemeinsam mit der Bertelsmann Stiftung herausgibt. Die anwesenden Ausbilder:innen verglichen die repräsentativen Ergebnisse im Anschluss mit ihrem Ausbildungsalltag und diskutierten rege ihre eigenen Erfahrungen bei der Gewinnung von Nachwuchskräften. Dieser offene Austausch von Wissenschaft und Praxis gehört zur DNA des Netzwerks Q! Im Anschluss bekamen Mitarbeitenden des Netzwerks Q von Herrn Mpaltatziz eine Führung durch das beeindruckende Learning Centers.
Mit dem Learning Center hat Merck einen beeindruckenden Raum für die Ausbildung des Unternehmens geschaffen. Es vereint alle Ausbildungsberufe unter einem Dach und spiegelt somit die fachliche Essenz des gesamten Unternehmens wider. Das bietet den Auszubildenden die Chance auch fachübergreifend mit- und voneinander zu lernen.
Das gesamte Gebäude ist auf den Lernprozess ausgerichtet und inspiriert von dem Konzept der anerkannten Designerin Rosan Bosch, die sich auf die Gestaltung moderner Lernumgebungen, insbesondere im skandinavischen Raum, spezialisiert hat. Beim Betreten des Gebäudes fällt die farbenreiche Gestaltung des Gebäudes und die Unterteilung in einzelne funktionale Bereiche sofort auf. So gibt es offene Sitzecken, die zum lebhaften Austausch einladen, aber auch abgeschirmte Bereiche, die sogenannten „Zelte“, in denen Auszubildende alleine oder in kleinen Gruppen ungestört konzentriert arbeiten können. Außerdem gibt es auf jeder Etage die sogenannte „Wassertränke“, an denen Tee, Kaffee und Wasser sowie Sitzplätze bereitstehen und die so informelle und zufällige Begegnungen fördern.
Aber auch im Bereich des fachlichen Lernens hat das Learning Center viel Beeindruckendes zu bieten. Es verfügt über alle Räumlichkeiten und die gesamte Technik, die es für die Vermittlung der Lerninhalte aller Ausbildungsberufe des Unternehmens braucht. Nichts muss in andere Betriebsstätten ausgelagert werden, egal ob Merck die entsprechenden Fachinhalte in der Produktion tatsächlich anwendet. Über sechs Etagen erstrecken sich alle nötigen Labore, Werkstätten und Bereiche, die für die chemischen und technischen Berufe benötigt werden. Außerdem gibt es einen eigenen Bereich für Logistik und Lager sowie Räumlichkeiten für die IT und die Kaufleute.
Es gehört bei Merck zum Ausbildungskonzept dazu, keine ausgemusterten Werksmittel oder veralteten Maschinen einzusetzen, denn die Ausbildung ist auf die Zukunft ausgerichtet: Hier entwickeln sich die Fachkräfte von morgen und ihre Fachkompetenzen sollen dementsprechend auf dem neuesten Stand sein. Alle Bereiche verfügen daher über die neueste Technik und die modernsten Maschinen. Das Learning Center bildet somit den aktuellen Stand der betrieblichen Realität ab.
Aber auch im Bereich Lernmethoden spielt das Learning Center ganz vorne mit. Eine Besonderheit stellt hier beispielsweise der Einsatz von Virtual-Reality-Szenarien dar, bei der Auszubildende mit der neuesten 3-D-Brillen-Technik an einem digitalen Zwilling einer chemischen Reaktionsapparatur üben können, bevor sie mit dieser im echten Leben umgehen. Gerade in den naturwissenschaftlichen und gewerblich-technischen Berufen ist das Training eines sicheren Umgangs mit den Produktionsmitteln von sehr hoher Bedeutung, da bei Fehlern gefährliche Personen und hohe Sachschäden entstehen können.
Der Besuch in Darmstadt hat eindrücklich gezeigt, was möglich wird, wenn Ausbildung von Anfang an konsequent mitgedacht wird. Bei Merck wird deutlich, welchen Unterschied Lernräume machen, die mehr sind als funktionale Orte: Sie laden ein, wecken Neugier und unterstützen Auszubildende dabei, sich mit ihrer Ausbildung zu identifizieren.
Gleichzeitig wurde klar, dass diese Räume ihre Wirkung nur in Verbindung mit einer klaren Haltung entfalten. Ausbildung wird bei Merck als durchgängiger, sowie fachlich und inhaltlich branchenübergreifender, Prozess verstanden – vom ersten Kontakt über die Ausbildungszeit bis hin zur Übernahme. Das Zusammenspiel aus räumlicher Gestaltung, didaktischem Konzept und gelebter Haltung macht Ausbildung hier erlebbar und schafft die Grundlage dafür, junge Menschen nachhaltig zu begeistern.
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